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Präsentierten im Haus der Musik das Festprogramm anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums des Innsbrucker Musikvereins (v. l.): TLK-Direktor Nikolaus Duregger, Landesrätin Beate Palfrader, Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer sowie Musikschuldirektor Wolfram Rosenberger. Musikgymnasiast bzw. TLK-Student Erik Mayr (l., Violine) und das Ensemble Brennholz.
Präsentierten im Haus der Musik das Festprogramm anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums des Innsbrucker Musikvereins (v. l.): TLK-Direktor Nikolaus Duregger, Landesrätin Beate Palfrader, Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer sowie Musikschuldirektor Wolfram Rosenberger. Musikgymnasiast bzw. TLK-Student Erik Mayr (l., Violine) und das Ensemble Brennholz.

200 Jahre Musikausbildung in Innsbruck

Im Wesentlichen besteht die Geschichte der Innsbrucker Musikschule aus dem Zusammenwirken von IdealistInnen einerseits und politischen WillensträgerInnen andererseits. Markante Ereignisse aus diesem wechselvollen Werdegang werden auf dieser Doppelseite herausgegriffen.

von Thomas Zeiler

Es war der Benediktinerpater Martin Goller, der 1812 als Musiklehrer nach Innsbruck berufen wurde. Dieser gründete zunächst mit Studenten eine „Akademische Musikgesellschaft“, und er war im Juni 1818 maßgeblich an der Gründung des „Vereins zur Beförderung der Tonkunst“ mit angeschlossener Musikschule beteiligt. Der Unterricht wurde allen sozialen Schichten ermöglicht: Mittellose Schüler genossen den Unterricht auf Kosten des Vereins, allerdings mit der Verpflichtung, nach erfolgter Ausbildung, drei Jahre unentgeltlich bei Aufführungen des Vereins mitzuwirken. Finanziert wurde diese Sozialmaßnahme u. a. mit Konzerten, die, wie in den Programmzetteln angekündigt, als Motto „die Unterstützung armer Studierender“ hatte. Die Leitung dieses Unternehmens im Gesamten oblag den Musikdirektoren, die sich um die Angelegenheiten des Musikvereins, des Konzertwesens und um die Musikschule zu kümmern hatten.

Spürbare Auswirkungen des Krieges

Eine Zäsur für Musikausbildung und Konzertwesen brachte der Erste Weltkrieg: Lehrer und Orchestermusiker wurden zum Kriegsdienst einberufen, öffentliche Gebäude für militärische Zwecke adaptiert. Während der nachfolgenden Wirtschaftskrise wurde sogar die Einstellung des Schulbetriebs in Erwägung gezogen. Allerdings war die Stadt Innsbruck wieder bereit, dem Verein finanziell unter die Arme zu greifen und mit Erlass des Bundesministeriums für Unterricht wurde 1934 der Musikschule des Innsbrucker
Musikvereins erstmals die Bezeichnung „Konservatorium“ zuerkannt. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten und der damit verbundenen politischen Einflussnahme auf den Kulturbetrieb der Tiroler Landeshauptstadt war das Ende des Musikvereins vorprogrammiert. Schon im Oktober 1938 wurde das Konservatorium von der Stadtgemeinde übernommen und um eine „Musikschule für Jugend und Volk“ erweitert. Die Tätigkeiten des Musikvereins wurden nach und nach beschnitten, der Verein bereits im Herbst 1939 praktisch und 1941 auch formell aufgelöst, die Musikschule in „Musikschule der Gauhauptstadt Innsbruck“ umbenannt. Durch den Krieg kam es immer wieder zu Beeinträchtigungen im Schulbetrieb. Schließlich wurde im September 1944 die Schließung der Musikhochschulen und Musikschulen angeordnet.

Informationsplakat für die Aufnahme neuer Schüler im neuen Musikvereinshaus, 1910–1911.
Informationsplakat für die Aufnahme neuer Schüler im neuen Musikvereinshaus, 1910–1911.

Umgang mit steigenden Schülerzahlen

Nach dem Krieg orientierte man sich neu. Die Verwaltung erfolgte fortan durch die Stadtgemeinde. Mit der Erweiterung des Lehrangebots kam im Jahre 1956 die Städtische Musikschule wieder in den Rang eines Konservatoriums mit Öffentlichkeitsrecht. Steigende Schülerzahlen machten es notwendig, dass in den 80er-Jahren Räumlichkeiten des ehemaligen Ursulinenklosters angemietet wurden. Und es gab noch eine weitere Notwendigkeit: Die verwaltungsmäßige Trennung von Musikschule und Konservatorium mit September 1987. Seit 1997 ist MMag. Dr. Wolfram Rosenberger Direktor der Musikschule.

Überblick über heutige Erfolge

Auch in den vergangenen Jahren hat sicheiniges getan: So wurden das Lehrangebot erweitert, neue Unterrichtsräume adaptiert, zusätzliche Außenstellen und neue Dienstposten geschaffen, die Ausstattung verbessert und in neue Musikinstrumente investiert. Zudem wurden ein neues Statut für elementare, mittlere und höhere Musikerziehung und eine neue Schulordnung zur Erlangung des Öffentlichkeitsrechts erarbeitet. In künstlerischer Hinsicht war die bisherige Zusammenarbeit mit dem Tiroler
Symphonieorchester fruchtbringend. Es wurden neben den schon etablierten Ensembles neue Formationen wie „Inn Seit’n Big Band“, die „CatchBasinBrass-Band“, die Jugendphilharmonie und das Jugendorchester „Crescendo“ aufgebaut. Bis dato wurden 20 CDs produziert, die von SchülerInnen und LehrerInnen als Interpret-Innen und KomponistInnen eingespielt wurden.

200. Geburtstag

Als schönes Ergebnis zeugen die Preisgewinne bei den Landes- und Bundeswettbewerben „Prima la Musica“ vom hohen Niveau der Ausbildung. Beachtlich sind auch die zahlreichen öffentlichen Konzerte und Veranstaltungen, bei denen AnfängerInnen und Fortgeschrittene gleichermaßen ihr Können unter Beweis stellen. Die Musikschule wird von der Bevölkerung ausgesprochen gut angenommen, wie die vielen Anmeldungen jedes Jahr beweisen. Heute können sich über 4.300 SchülerInnen in der Fächerbelegung solistisch, in zahlreichen Ensembles und verschiedensten Musikrichtungen erproben. Die Musikschule öffnet mit ihrem Angebot musikalische und soziale Räume und begleitet junge Menschen auf dem Weg zur Entfaltung ihrer eigenen Fähigkeiten. Diese Aufgabe erfüllt die Musikschule der Stadt Innsbruck nunmehr seit 200 Jahren.