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Innsbruck, Hungerburgsee mit Hotel Hungerburgseehof
Innsbruck, Hungerburgsee mit Hotel Hungerburgseehof

Innsbruck vor 100 Jahren - April 1918

aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck von Dominique Karner, BA

02. April 1918
Im Hungerburgsee ertrunken. Der achtjährige Sohn des Geheimen Regierungsrates Frank aus München ist gestern vormittags auf unerklärte Weise in den Hungerburgsee gefallen und darin ertrunken. Die Familie Frank weilte während der Osterfeiertage auf der Hungerburg. Der Junge hat sich gestern vormittags allein zum See begeben, um sich zu unterhalten. Niemand war in der Nähe, der Seehof ist derzeit geschlossen, es kann deshalb nicht gesagt werden, wie sich das Unglück zugetragen hatte.    Bild 1

03. April 1918
Krankheitsanfälle zur Essenszeit. Am Sonntag und Montag hatte die Rettungsabteilung mit einem Zugereisten zu tun, der es prächtig verstanden hatte, seine Umgebung zu täuschen. Dreimal fuhr der Rettungswagen zur „Unfallstelle“, das erstemal am Rennweg, dann zur Jahnstraße und schließlich in die Neuhauserstraße, immer war er so geschickt zusammengesunken, daß ihm der Mantel nur ein klein wenig staubig wurde. Stets entwickelte er aber gute Eßlust. Er richtete sich seine Anfälle auch schlauer Weise zu den üblichen Mahlzeiten ein. Jetzt ist er wieder weiter gereist, wahrscheinlich, um andere auf diese Weise dranzukriegen.

03. April 1918
Die Maul- und Klauenseuche. In der Gemeinde Hötting herrschte seit längerer Zeit in den Stallungen zweier Bauern die Maul- und Klauenseuche. Die Krankheit ist nun nach amtlicher Feststellung erloschen.

04. April 1918
Verschärfung der Bewachungsmaßnahmen. Die Bewachungs- maßnahmen für Munitionsbetriebe, Munitions- und Sprengmitteldepots wurden zur Sicherung gegen verbrecherische Anschläge verschärft. Die Bevölkerung wird im Interesse ihrer eigenen Sicherheit gewarnt, sich derartigen Objekten zu nähern, da die aufgestellten Wachposten unter Umständen von der Schutzwaffe Gebrauch zu machen haben.

05. April 1918
Ein Innsbrucker Flieger im Kampfe mit vier Engländern. Am Ostersonntag früh kam von der Fliegerkompagnie an den in Innsbruck lebenden Vater des Fliegerleutnants Adolf Franzelin die Nachricht, daß der Sohn verwundet in Trient liege. […] Franzelin hatte sich freiwillig zu einem sehr gefährlichen Flug gegen den Feind als Beobachter gemeldet. Er geriet mit vier englischen Flugzeugen zusammen und hatte mit diesen einen furchtbaren Luftkampf zu bestehen. Schon etwa nach dem 80. Schuß versagte das Maschinengewehr Franzelins und dieser war so den Engländern ausgeliefert. Er öffnete bereits das Bombenloch, um, falls der Apparat in Brand geschossen werden sollte, aus 2500 Meter Höhe herabzuspringen. Im gleichen Momente durchschoß ihm eine Kugel die Brust. Trotz dieser schweren Verwundung gelang es dem mutigen Flieger, seinen Auftrag zur Gänze zu erledigen und auf dem eigenen Flugplatz zu landen. Dort aber sank er ohnmächtig zusammen.

09. April 1918
Der Stand der ansteckenden Krankheiten. Vom Gesundheitsamte der k.k. Statthalterei werden in der Woche vom 24. bis 30. März folgende Infektionskrankheiten in Tirol und Vorarlberg gemeldet: Scharlach 5, Diphterie 24, Typhus 4, Ruhr 1 und Wochenbettfieber 2.

10. April 1918
Das vergessene Innsbrucker Krankenhaus. Wir erhielten folgende Zuschrift: Mit großem Befremden haben wir Vorstände der Abteilungen des Innsbrucker städtischen Krankenhauses in einem kürzlich von Ihrem geschätzten Blatte gebrachten Artikel, der sich mit der Aufzählung von geplanten öffentlichen Bauten Innsbrucks befaßte, die Nennung des städtischen Krankenhauses vermißt. Seit Jahren wird von uns mit allem Nachdruck darauf hingewiesen, daß nicht nur die Baulichkeiten des städtischen Krankenhauses als solche längst nicht mehr ausreichen, sondern daß auch die Inneneinrichtung in sanitärer Beziehung unzulänglich geworden ist. Gerade der erwähnte Zeitungsartikel läßt es uns als Pflicht erscheinen, darauf aufmerksam zu machen, daß bei dem zukünftigen Bauprogramm der Stadt Innsbruck das städtische Krankenhaus nicht vergessen werden darf. 

11. April 1918
Einen tollen Streich hat gestern ein Invalide mit sich und seinem Kunstbein vollführt. Der Mann war etwas angesäuselt und hat sich auf der Innbrücke seine Prothese so beschädigt, daß er nicht mehr weiter gehen konnte. In tollem Uebermute löste er das beschädigte Kunstbein ab und warf es weg. Nun kam er natürlich erst recht keinen Schritt weiter, man mußte deshalb den Rettungswagen holen und den Mann in diesem heimbefördern.

Herzog Friedrichstraße mit Stadtturm und goldenem Dachl gegen Norden
Herzog Friedrichstraße mit Stadtturm und goldenem Dachl gegen Norden

12. April 1918
Beschlagnahme von Hamsterware. In der Herzog Friedrichstraße ist gestern von der Innsbrucker Polizei ein guter Fang gemacht worden. Vor einem Gasthause, wo Boten und Bötinnen ihre Wagen einstellen, entdeckte ein Polizist Hamsterware in großen Mengen, Hülsenfrüchte und andere Lebensmittel, deren Verteilung behördlich geregelt ist. Die Waren stammten aus dem Oberinntale und waren für Flüchtlinge aus Südtirol bestimmt, die in Mieders wohnen; […]. Ja, die Flüchtlinge haben nicht bloß die Zeit, sondern auch das Geld, um sich solche Sachen beschaffen zu können.

15. April 1918 
Sommerzeit. Heute ist jedem von uns wieder eine Stunde kostbarer Zeit beschlagnahmt worden. Ein einfaches, nur sekundenlanges Rücken der Uhrzeiger – und plötzlich war eine volle Stunde dahin. […] Die meisten haben sie verschlafen. Wer von berufswegen zeitig aufstehen mußte, hat sie dann umso schmerzlicher vermißt, als er sie mit sechzig Minuten süßen Schlafes bezahlen mußte. […] Diese Sommerzeit!

20. April 1918
Aprilwetter. Klagen über den sonst übelberüchtigten April sind heuer völlig ungerechtfertigt, denn bis jetzt hat er sich ganz anständig aufgeführt und das Wachstum gefördert. Gestern ging die Temperatur zurück und während der Nacht trat die natürliche Folge ein: auf den Bergen fiel Schnee. In der Höhe der Hungerburg lag heute früh Schnee zur Genüge.

Teehütte (Exlhaus) in der Mühlauer Klamm
Teehütte (Exlhaus) in der Mühlauer Klamm

23. April 1918
Hütteneinbruch. Die Teehütte in der Mühlauerklam […] ist aufgebrochen vorgefunden worden. Der Einbrecher mußte, um nach seinem Plane ein Fenster zum Einsteigen benützen zu können, über ein schmales, an der Felswand angebrachtes Brett hinüberturnen, ein lebensgefährliches Unternehmen; aber es ist dem Einbrecher geglückt. Aus der Hütte wurden die Hüttenkasse, ein Hirschgeweih und zwei alte Bilder gestohlen. Der Täter ist unbekannt.

24. April 1918
Ein gemeiner Mord. In der Absicht, die Angebetete zu töten, erschießt ein Soldat deren Schwester. Gestern um ½3 Uhr nachmittags wurde die 25jährige ledige Johanna Fleischmann […] in ihrem Zimmer im ersten Stock von dem im Oekonomiegebäude des Deutschen Ordenskonvents gegenüber dem Hause der Fleischmann einquartierten Zugsführer Paul Rozmar […], mit seinem Dienstgewehr erschossen. Der sofort am Tatorte erschienene k.k. Oberarzt des technischen Kurses legte der schon bewußtlos am Boden liegenden Fleischmann, welcher das Geschoß an der rechten Schläfe in den Kopf gedrungen war, einen Notverband an und konstatierte die Verletzung als absolut tödlich. Die Schwerverletzte verschied bereits um halb 5 Uhr nachmittags, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. […] Zugsführer Rozmar […] wurde verhaftet und in den Arrest gesetzt. Das Motiv der Tat ist verschmähte Liebe. Nachträglich wurde erhoben, daß nicht Johanna Fleischmann, sondern die Schwester derselben seine Liebe war.

30. April 1918
Bei der Arbeit verunglückt ist gestern früh in einer hiesigen Dampfwäscherei eine 20jährige Helferin; sie geriet mit der rechten Hand in die Glättmaschine und kam verhältnismäßig noch glimpflich mit Quetschung und einem Bruch der Elle davon. Es hätte jedoch leicht den ganzen Arm kosten können.