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Blick vom Servitenkloster auf das Alte Landhaus und das Taxispalais, damals Postamt. Neben dem Eingang rechts befand sich früher eine Verladerampe (Foto um 1900).
Blick vom Servitenkloster auf das Alte Landhaus und das Taxispalais, damals Postamt. Neben dem Eingang rechts befand sich früher eine Verladerampe (Foto um 1900).

Vom Felleisen zur Correspondenz-Karte

aus dem Stadtarchiv von von Mag.a Susanne Gurschler

1490 entstand im Auftrag von Maximilian I. ein Kuriersystem von den Niederlanden über Innsbruck nach Italien und Frankreich – es war die Basis für ein europaweites Postwesen. 

Am Anfang steht eine Hofübergabe. 1490 erbte Maximilian I., seit 1486 römisch-deutscher König und später Kaiser, das Land Tirol und machte Innsbruck zu seiner Residenzstadt. Um seine Interessen zu vertreten und Kontakt mit den „Brennpunkten“ zu wahren, brauchte er regelmäßigen Austausch und Informationen. Da waren etwa die burgundischen Niederlande, wo sein kleiner Sohn Philipp erzogen wurde, ein aufmüpfiges Land, das den Habsburger wenige Jahre zuvor für ein paar Monate gefangen gehalten hatte; da war seine Tochter Margarethe, ebenfalls noch ein Kind, die am französischen Hof weilte. Nicht zuletzt stellte Maximilian I. Ansprüche auf den ungarischen Thron, nachdem König Matthias Corvinus 1490 plötzlich verstorben war. Maximilian I. brauchte also ein gut funktionierendes Kuriersystem und beauftragte damit Janetto de Tassis, der einer italienischen Kurierfamilie entstammte. Mit dieser Entscheidung legte Maximilian I. den Grundstein für ein europaweites Postwesen und von Innsbruck aus startete die erste Nachrichtenstafette. 

Dienste auslagern

Janetto de Tassis, in Innsbruck zunächst als Johann Dachs bzw. Dax eingedeutscht, später als Taxis, hatte die besten Voraussetzungen. Seine Familie verfügte über große Erfahrung in diesem Bereich, hatte den Kurierdienst Venedigs und des Papstes in Rom aufgebaut, und hervorragende Kontakte. Der niederländische Postkurs war die erste dauerhaft betriebene Linie im Heiligen Römischen Reich, er verband die Niederlande über Innsbruck mit Italien.
Boten hatte es natürlich seit der Antike gegeben, die Neuerung bestand darin, dass Gastwirte und Fährleute entlang der Routen den Auftrag erhielten, Pferde bereitzustellen, sodass Ross und Reiter wechseln konnten. Das Poststück wurde zur Sicherheit in einem Felleisen transportiert, einem Behältnis, das mit Eisen ummantelt war, der Vorläufer des Postsacks, weswegen zur damaligen Zeit auch von Felleisenkurier die Rede war. Stationen gab es in regelmäßigen Abständen. Der Vorteil dieses Netzes lag auf der Hand: Die Boten ritten auch in der Dunkelheit, der Transport wurde schneller erledigt. Da die meisten Städte in der Nacht ihre Tore schlossen, kamen als Zwischenhalt kleinere Orte zum Zug.

Im Bildhintergrund rechts das 1908 eröffnete „k. k. Post- und Telegraphenamt“, das 2010 geschlossen wurde. Das Foto stammt aus dem Jahr 1911.
Im Bildhintergrund rechts das 1908 eröffnete „k. k. Post- und Telegraphenamt“, das 2010 geschlossen wurde. Das Foto stammt aus dem Jahr 1911.

Dienste auslagern

Janetto de Tassis, in Innsbruck zunächst als Johann Dachs bzw. Dax eingedeutscht, später als Taxis, hatte die besten Voraussetzungen. Seine Familie verfügte über große Erfahrung in diesem Bereich, hatte den Kurierdienst Venedigs und des Papstes in Rom aufgebaut, und hervorragende Kontakte. Der niederländische Postkurs war die erste dauerhaft betriebene Linie im Heiligen Römischen Reich, er verband die Niederlande über Innsbruck mit Italien.
Boten hatte es natürlich seit der Antike gegeben, die Neuerung bestand darin, dass Gastwirte und Fährleute entlang der Routen den Auftrag erhielten, Pferde bereitzustellen, sodass Ross und Reiter wechseln konnten. Das Poststück wurde zur Sicherheit in einem Felleisen transportiert, einem Behältnis, das mit Eisen ummantelt war, der Vorläufer des Postsacks, weswegen zur damaligen Zeit auch von Felleisenkurier die Rede war. Stationen gab es in regelmäßigen Abständen. Der Vorteil dieses Netzes lag auf der Hand: Die Boten ritten auch in der Dunkelheit, der Transport wurde schneller erledigt. Da die meisten Städte in der Nacht ihre Tore schlossen, kamen als Zwischenhalt kleinere Orte zum Zug.

Flexible Routen und fixe Stationen

Zudem war das System äußerst flexibel, Routen konnten schnell geändert werden, es brauchte nur definierte Orte für den Wechsel des „Gespanns“. Ab 1519 begann man fixe Poststationen einzurichten, etwas später gab es regelmäßigen Postverkehr, der sich in reguläre und außertourliche (Eil- und Sondersendungen) Post unterteilte. 1597 wurde die kaiserliche Reichspost gegründet, Betreiber blieben weiterhin Mitglieder der Familie von Taxis (ab 1650 von Thurn und Taxis, später Reichsgrafen und Reichsfürsten), die zudem den Generalpostmeister stellten.

Postkarten dienten für Kurznachrichten und waren günstig im Versand – Postkarte „Gruss aus Innsbruck“ mit zwei gemalten Ansichten (Kettenbrücke, Weiherburg).
Postkarten dienten für Kurznachrichten und waren günstig im Versand – Postkarte „Gruss aus Innsbruck“ mit zwei gemalten Ansichten (Kettenbrücke, Weiherburg).

Neue Hauptpost

Das erste Postamt befand sich in der Maria-Theresien-Straße, im Gebäude Nummer 37, das im 16. Jahrhundert noch aus zwei Häusern bestand, eines davon kaufte Gabriel von Taxis 1521, das zweite kam später dazu; 1588 schien das Ensemble als „Posthaus“ auf. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts war das Amt des „Obristen Postmeisters“ (Hofpostmeister) erblich mit der Linie der von Thurn und Taxis verknüpft und zwar bis zur endgültigen Verstaatlichung des Postwesens. Diese wurde von einer 1769 in Innsbruck gegründeten Postkommission durchgeführt – die Taxis blieben weiterhin im Postdienst tätig.
1793 verkaufte Alexander von Thurn-Valsassina und Taxis das Haus in der Maria-Theresien-Straße. Die zentrale Poststelle war ab da das bereits 1784 erworbene Palais Fugger (heute Taxis-Palais, Maria-Theresien-Straße 45), das bis dahin als Zweigstelle fungiert hatte. 1905 kaufte das Land Tirol das herrschaftliche Anwesen, heute sind hier Teile der Landesverwaltung untergebracht sowie die Taxispalais Kunsthalle Tirol. 1908 eröffnete mit dem „k.k. Post- und Telegraphenamt“ die neue Hauptpost in der Maximilianstraße. Der palastartige Bau mit der prägnanten zweigeschoßigen Schalterhalle samt Glasdach wurde nach Plänen von Natale Tommasini errichtet und verwies auf die große Bedeutung des Postwesens für die Habsburger, für Österreich-Ungarn.

Das 500-Jahr-Jubiläum regelmäßiger Postverbindungen in Europa wurde in Innsbruck groß gefeiert – unter anderem fuhr eine historische Postkutsche durch die Stadt.
Das 500-Jahr-Jubiläum regelmäßiger Postverbindungen in Europa wurde in Innsbruck groß gefeiert – unter anderem fuhr eine historische Postkutsche durch die Stadt.

Vereinfachung durch die Briefmarke

Das Postwesen hatte in den Jahrzehnten davor einen mächtigen Aufschwung erlebt. Mit dem Ausbau des Bahnsystems konnte eine günstige und sichere Transportmöglichkeit geschaffen werden. Mit der Einführung der Briefmarke als „aufklebbarem Brieftaxstempel“ zunächst in England, ab Mitte des 18. Jahrhunderts in Österreich, war ein effizientes System gefunden, um den Versand schnell abzuwickeln und den internationalen Briefverkehr zu erleichtern. Schließlich kam 1869 die „Correspondenz-Karte“ in Umlauf, erfunden vom Kärntner Emanuel Herrmann. Sie eignete sich hervorragend für kurze Mitteilungen, war nicht größer als ein Briefkuvert und ohne ein solches, also offen, zu versenden. Da das Porto niedrig war, entwickelte sich die Postkarte rasch zu einem beliebten Medium, nicht lange, und die ersten Ansichtskarten kamen auf den Markt.
Erst mit den elektronischen Kommunikationsmöglichkeiten sollte der Post eine ernsthafte Konkurrenz erwachsen. 2010 wurde die herrschaftliche Hauptpost in der Maximilianstraße geschlossen und die Zentrale an den Innrain (Ursulinenpassage) verlegt. Seit 1984 hängt an der Fassade des Taxispalais ein k. k. Briefkasten in Erinnerung an die ehemalige Funktion des Gebäudes als Postamt. Er ist nicht nur schön anzuschauen: Der Briefkasten wird regelmäßig gelehrt.