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Die im Juli 1928 eröffnete Nordkettenbahn brachte die ihre Passagiere auf die aussichtsreiche Seegrube und weiter aufs Hafelekar.
Die im Juli 1928 eröffnete Nordkettenbahn brachte die ihre Passagiere auf die aussichtsreiche Seegrube und weiter aufs Hafelekar.

Ins Märchenreich hochalpiner Naturschönheit

1928 wurden die Seilbahnen auf den Patscherkofel und auf die Nordkette eröffnet und damit zwei Naherholungsgebiete im hochalpinen Gelände erschlossen, die von Einheimischen wie TouristInnen gleichermaßen intensiv genutzt wurden und werden.

In den Anfängen der Aufstiegshilfen lösten Seilbahnen nicht nur Nervenkitzel und Spannung aus. Die Menschen sorgten sich, wie sicher diese neuen technischen Anlagen sind und wie Passagiere sich im Gefahrenfall verhalten sollen. Nachlesen konnten sie das im „Führer für die Patscherkofel-Drahtseilschwebebahn“, erschienen anlässlich der Eröffnung der Bahn auf den „Tiroler Rigi“ – wie Innsbrucks Hausberg damals gern genannt wurde – und der unterstrich, wie wichtig dieses Ereignis für die Region war. 

Mühelos in hochalpines Gelände

Die 1928 eröffneten Seilbahnen auf den Patscherkofel sowie auf die Nordkette ermöglichten es Einheimischen wie TouristInnen binnen kürzester Zeit und ohne Mühe in hochalpines Gelände vorzudringen. Die beiden Gebiete entwickelten sich rasch zu beliebten Naherholungsgebieten – im Sommer wie im Winter. Und das sind sie bis heute.
Als die Patscherkofelbahn am 14. April 1928 ihren Betrieb aufnahm, konnte sie zwei Superlative für sich in Anspruch nehmen: Sie war die erste Bergbahn in der Umgebung von Innsbruck und zu diesem Zeitpunkt „die längste Drahtseilbahn Österreichs“. Entsprechend gern breiteten Zeitungen und Zeitschriften die technischen Details aus. So konnten die LeserInnen des Tiroler Anzeigers erfahren, dass das Tragseil der Patscherkofelbahn in der Bergstation selbst verankert sei, „dagegen in der Talstation um eine Seiltrommel geschlungen und freihängend in einem tiefen Schacht durch riesige Betoneisengewichte in fortwährender Spannung gehalten“ werde.
Drei Monate nach der Inbetriebnahme der Patscherkofelbahn war es auf Innsbrucks Nordkette so weit. Zunächst wurde die Seilbahn Hungerburg-Seegrube eröffnet, dann die Strecke Seegrube-Hafelekar. „Es ist (…) eine Tat, deren Auswirkung für den Tirolischen Fremdenverkehr von unmeßbarer Bedeutung ist, wird doch damit eine Pforte erschlossen, durch die wieder Hunderttausende in das Märchenreich hochalpiner Naturschönheit eintreten und zu begeisterten Freunden unserer Landeshauptstadt, unserer Heimat Tirol werden“, notierte der Schriftsteller, Volkskundler und Journalist Karl Paulin in den Innsbrucker Nachrichten.

Hoch hinaus in Innsbrucks Süden und Norden

Erste, zum Teil ausgereifte, Pläne hatte es für beide Bahnen schon vor dem Ersten Weltkrieg gegeben. Mit der Hungerburgbahn war 1906 eine attraktive Verbindung zum wildromantischen Erholungsraum über Innsbruck geschaffen worden und es lag nahe, auch die höheren Lagen touristisch zu nutzen. Ebenso verhielt es sich in Igls. Der international bekannte Kur- und Wintersportort hatte durch die 1900 in Betrieb genommene Straßenbahn eine hervorragende Anbindung an die Stadt. Der Patscherkofel bot den Gästen zahlreiche Möglichkeiten, aktiv zu sein: Wanderwege und Gipfelrouten für WandererInnen und Bergfexe im Sommer, Skipisten und Rodelbahnen im Winter.
Eine Aufstiegshilfe sollte zusätzliche Angebote schaffen. Immerhin erlebte die Seilbahntechnik um die Jahrhundertwende einen ersten Höhenflug, in der Schweiz vor allem, aber auch in Südtirol: Ab 1908 gab es eine Pendelbahn von Bozen nach Kohlern, 1912 öffnete die Vigiljochbahn. Schwierigkeiten bei der Finanzierung der Großprojekte und schließlich der Erste Weltkrieg verhinderten die Realisierung der Seilbahnen in Innsbruck und Igls. In den 1920er Jahren rückten die Pläne wieder ins Bewusstsein.

 

 

Bis die Hilfsseilbahnen standen, trugen Trägerkolonnen die schweren Materialien in die Höhe.
Bis die Hilfsseilbahnen standen, trugen Trägerkolonnen die schweren Materialien in die Höhe.

Aus Plänen wurde Realität

Bei einer Versammlung in Innsbruck, an der VertreterInnen des Landes, der Stadt Innsbruck und von Igls teilnahmen, fiel 1925 die Grundsatzentscheidung, eine Bahn auf den Patscherkofel zu bauen. Im November 1926 folgte der Beschluss der Gemeinde Igls und Anfang Dezember erhielt die eigens gegründete Patscherkofel-Drahtseilbahn-Aktiengesellschaft die Bewilligung des Handelsministeriums, mit den Baumaßnahmen zu beginnen. Im Mai 1927 erfolgte der erste Spatenstich.
Der Innsbrucker Gemeinderat entschied 1927, eine Bahn von der Hungerburg zur Seegrube und von dort eine weitere zum Grat nahe der Hafelekarspitze zu errichten. Die Überlegungen dahinter: Mit einer Zwischenstation ließ sich die Transportkapazität steigern. Gleichzeitig konnte auf der Seegrube – weitaus weniger sturmanfällig als das Hafelekar – mit einem Hotel und einem Restaurant ein attraktives Angebot für TouristInnen geschaffen werden.
Beide Bahnen wurden in bemerkenswert kurzer Zeit errichtet. Kein Jahr dauerte die Errichtung der Patscherkofelbahn, gerade einmal neun Monate die der Nordkettenbahn. Dabei waren die Arbeitsbedingungen extrem hart. Bis die Hilfsseilbahnen standen, mussten Materialien unter hohem körperlichen Einsatz in die Höhe transportiert werden. Auf der Nordkette unterstützte ein Flugzeug der Deutschen Lufthansa die Bauarbeiten und warf mit Fallschirmen Baumaterialien ab.
Die Stationen der Bahnen wurden von jungen heimischen Architekten geplant. Für die Tal- beziehungsweise Bergstation – und das 2007 abgerissene Hotel –  der Patscherkofelbahn zeichnete Hans Feßler verantwortlich, für die Stationen der Nordkettenbahn und das Hotel auf der Seegrube Franz Baumann. Die zwei Architekten waren Vertreter der sogenannten Tiroler Moderne, einer neuen Sachlichkeit verpflichtet und gelten heute als prägende und wichtige Vertreter einer selbstbewusst aus dem Regionalen schöpfenden, internationalen Strömungen verpflichteten alpinen Architektur von zeitloser Eleganz.

Aufstiegshilfen mit Anziehungskraft

Mit der Eröffnung der Patscherkofelbahn und der Nordkettenbahn wurde eine neue Ära im Tourismus in Innsbruck und Umgebung eingeläutet. Beide Aufstiegshilfen kamen außerordentlich gut an. Die Anziehungskraft der beiden Regionen, die damit für Einheimische wie für TouristInnen als Naherholungsgebiete erschlossen wurden, ist ungebrochen.