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Der Gasthof Koreth in Mühlau
Der Gasthof Koreth in Mühlau

Innsbruck vor 100 Jahren - Jänner 1917

aus dem Stadtarchiv von Mag. Joachim Bürgschwentner

02. Jänner 1917
Regentage. Die Zeit um Neujahr 1917 wird in den meteorologischen Aufzeichnungen für Nordtirol eine Denkwürdigkeit ohnegleichen bleiben: nichts von der Kälte, von Frost und Eis, wie sonst immer um Neujahr, sondern ein Sommerwetter Regen mit warmer Temperatur wie zur Zeit des Frühsommers. Aber dieses ungewohnte, unnatürliche Wetter bringt nur Nachteile und Schäden, es hat Unglücksfälle im Gefolge und ist in hohem Maße ungesund. Nur einen Vorteil hat es: es bringt Ersparnisse an Kohlen. 

05. Jänner 1917
Gänse aus Russisch-Polen. Die Stadtgemeinde Innsbruck hat von Russisch-Polen eine Probesendung von zirka 200 Gänsen erhalten, welche Samstag, den 6. Jänner zwischen 8 bis 12 Uhr vormittags in der städtischen Fischhalle bei Heinrich Ballack zum Preise von 6 K 50 h per Kilogramm zum Verkaufe gelangen. Sollten die Gänse Anklang finden, wäre es möglich, weitere große Quantitäten zu beziehen und es könnte hiedurch auch der Einkaufspreis gedrückt und sonach eine Reduktion des Preises vorgenommen werden.

Der Amraser See im Bereich des heutigen DEZ diente in früheren Zeiten als Eislaufplatz und als Reservoir für Gefriereis.
Der Amraser See im Bereich des heutigen DEZ diente in früheren Zeiten als Eislaufplatz und als Reservoir für Gefriereis.

10. Jänner 1917
Beim Schlittschuhlaufen eingebrochen. Auf dem Amraser See ist ein Fräulein aus Innsbruck beim Schlittschuhlaufen durch das Eis gebrochen und bis zum Oberkörper ins Wasser geraten. Dank der raschen Hilfeleistung anderer Schlittschuhläufer ist der Unfall noch gut abgelaufen.

16. Jänner 1917
Aus Mühlau schreibt man uns: Wegen der Klagen über schlechte Wegverhältnisse in unserer ausgedehnten Gemeinde ist zu erwiedern, [sic!] daß es bei außergewöhnlichen Witterungsverhältnissen dem jetzigen Mangel an Arbeitskräften ebenso schwer möglich ist, allen Anforderungen rascher gerecht zu werden, wie in der Stadt; zwei ältere fleißige Wegmacher tun ihr Möglichstes. […] Um nun dem Uebelstande etwas abzuhelfen, hat sich kürzlich mit Einwilligung der Schulleitung eine jugendliche Arbeiter-Vereinigung gebildet, welche an schulfreien Tagen unter Aufsicht und Anleitung einige Stunden lang so manches besorgen wird. Diese werktätigen Mitglieder der Gemeinde bezw. des Verschönerungsvereines – 10 Knaben – haben bereits am 13. d. Mts. ihre erste Aufgabe in erfreulicher Weise damit gelöst, daß sie den Gehweg hinter der Dollinger-Mauer mustergültig instand stellten, die Sträucher und Lehnen bis zum Gasthof Koreth von Schnee befreiten. Dort wurden die Eifrigen dann mit Tee und Brot bewirtet. […]

 

Kaiserin Zita am 18. Jänner 1917 beim Verlassen des Reservespitals Müllerstraße 38.
Kaiserin Zita am 18. Jänner 1917 beim Verlassen des Reservespitals Müllerstraße 38.

19. Jänner 1917
Kaiserin Zita in Innsbruck. Der erste Tag des Aufenthaltes unserer Kaiserin in der tirolischen Landeshauptstadt brachte der jugendlichen, anmutigen Herrscherin einen herzlichen Empfang überall dort, wo sie erschien, wo sie tröstete und Gaben spendete. Beinahe der ganze gestrige Tag wurde von der Kaiserin zu Besuchen in den Spitälern und Heilanstalten verwendet. Die schönen Stunden kamen wieder in Erinnerung, als das jugendliche Paar – es war vor dem Tode des Kaisers Franz Joseph – zum erstenmale gemeinsam Tirol besuchte […] Die Witterung und besondere Umstände erforderten es, daß die Kaiserin nicht, so wie seinerzeit im offenen Wagen bejubelt werden konnte, aber überall, wo sich die Gelegenheit gab, war die Kaiserin Gegenstand herzlicher Ovationen. […]

22. Jänner 1917
Partielle Sonnenfinsternis. Am 23. d. M. findet eine partielle Sonnenfinsternis statt, die auch von Mitteleuropa aus sichtbar sein wird. Der Beginn der Verfinsterung ist für 6 Uhr 43 Minuten morgens, also kurze Zeit nach Sonnenaufgang berechnet. Die Mondscheibe tritt nicht ganz vor die Sonne, sondern selbst im Moment größter Verfinsterung (8 Uhr 28 Minuten) wird ein sichelförmiger Teil der Sonne sichtbar sein. Das Ende der Verfinsterung ist für 10 Uhr 13 Minuten vormittags berechnet. Da ja die Verfinsterung in früher Stunde eintreten wird, dürfte noch kein blendendes Licht von der Sonne ausstrahlen. Jedenfalls aber sei das Publikum davor gewarnt, ohne Bewaffnung des Auges durch schwarze Gläser das Phänomen zu beobachten. Es sei auf die zahlreichen Augenleiden und Schwächungen der Sehkraft hingewiesen, die durch direktes Betrachten der Sonne bei Finsternissen entstehen.

27. Jänner 1917
Ueber die Jugendpolizei. Eine „eifrige Zeitungsleserin“ schreibt uns: Ueber die Wechselrede im Gemeinderate wäre von weiblicher Seite noch zu bemerken, daß immer nur von der männlichen Jugend gesprochen wurde, wie aus der Bemerkung „Am besten wäre eine obligatorische Fortbildungsschule bis zum wehrpflichtigen Alter“ oder „Jeder Bursche will verdienen – er wird Laufbursche“ hervorgeht. Daraus ersieht man so recht, daß nur Herren im Gemeinderat sitzen, die für die weibliche Jugend in Bezug auf „Fürsorgetätigkeit“ gar nichts übrig haben. Vielleicht war es nur Vergessenheit, denn daß es auch fürsorgebedürftige weibliche Jugend gibt, dürften die Stadtväter wohl wissen. […]

31. Jänner 1917
Wenn sich zwei streiten. Gestern um die Mittagszeit machten sich zwei Jungen daran, eine Wildente aus dem Inn zu ziehen, die vielleicht angeschossen, vielleicht ermattet im Wasser war. Die Burschen ließen sich mittels eines Seiles beim linksseitigen Brückenpfeiler des Inn hinabgleiten. Als sie nach geraumer Zeit endlich die Ente erreichten, gerieten sie in Streit darüber, wem eigentlich die Beute gehörte. Nachdem sich bald der eine, bald der andere die Beute entrissen hatte, machte schließlich die Ente selbst dem Zanke ein Ende; sie schien sich erholt zu haben, erhob sich und – flog davon.