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Dort in der Nähe geschah der Unfall mit dem Automobil, von welchem am 15. Juli in den "Innsbrucker Nachrichten" berichtet wurde.
Dort in der Nähe geschah der Unfall mit dem Automobil, von welchem am 15. Juli in den "Innsbrucker Nachrichten" berichtet wurde.

Innsbruck vor 100 Jahren - Juli 1919

aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck von Christoph Pareihs

1. Juli 1919
Deutsche Reichswehr. Das Auskunftsbureau in Innsbruck ist aufgelöst. Es wird jedoch ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, das Deutsch-Oesterreicher auch weiterhin in die Reichswehr eintreten können, wenn sie sich in Bayern bei einer Werbestelle melden.

8. Juli 1919
Ein Bubenstück. In einer der letzten Nächte haben boshafte Hände das an der Fassade des Hauses des Rechtsanwaltes Dr. Steidle angebrachte Schild herabgerissen; Der Portier der Gebäranstalt fand es am Fenster seiner Parterrewohnung, zerbrochen und unbrauchbar. Möglicherweise handelt es sich um die Auslassungen übermütiger Nachtschwärmer, vielleicht liegt aber auch ein Racheakt vor.

 

Umgebauter Lazarettwagen der Lokalbahn  Innsbruck – Hall in Tirol
Umgebauter Lazarettwagen der Lokalbahn Innsbruck – Hall in Tirol

8. Juli 1919
Auf der Spur. Einer der zahlreichen Fahrraddiebstähle, die in der letzten Zeit In Innsbruck vorgekommen sind, scheint nun aufgeklärt zu werden. Der Gerichtsdiener Dollinger, dem am 10. November vorigen Jahres sein Fahrrad gestohlen worden war, entdeckte dieses nun im Besitze eines Hoteldieners und dieser hat es von einem im gleichen Hause angestellt gewesenen Hausdiener erworben. Der Diener befindet sich derzeit in Reutte, er konnte sich also noch nicht äusern, woher er das Rad hatte.

10. Juli 1919
Städtisches Jugendamt. Die Amtsräume des städtischen Jugendamts befinden sich nunmehr im Goldenen Dachlgebäude, Herzog Friedrichstraße 15, 2. Stock und sind für den Parteienverkehr täglich von 9 bis 12 Uhr, Montag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

15. Juli 1919
Das Automobil auf dem Gehsteig.  Ein fremdes Auto hat am Samstag nachts Vor dem Gasthof „Greif“ einen ahnungslos am Bürgersteig daherkommenden Herren niedergestoßen. Der allzu waghalsige Lenker fuhr, um die Biegung auf einmal nehmen zu können, in scharfer Wendung ein ziemliches Stück auf den Randweg hinauf. Mit zerrissenen Kleidern und voll Schmutz und Staub wurde das Opfer ins Gasthaus Flunger gebracht und gelabt. Eine schwere Quetschung am rechten Knie und Riß- und Quetschwunden im Gesicht machten die Ueberführung der Verunglückten durch die Rettungsabteilung nach der Anlegung von Notverbänden ins Spital nötig.

Lanser Alm um 1915
Lanser Alm um 1915

19. Juli 1919
Heimkehr von Kriegsinvaliden. Am 19. Juli um 3 Uhr früh traf am hiesigen Frachtenbahnhofe, vom Süden über den Brenner kommend, ein Invalidenzug mit ungefähr 1000 Mann ein. Die Invaliden wurden in zwei deutschösterreichischen Krankenzügen untergebracht. Um 6 Uhr früh trafen zwei weitere Züge mit ungefähr 1300 Mann hier ein. Diese wurden ebenfalls in deutschösterreichische Krankenzüge umgewandelt.

21. Juli 1919
Ein gefährliches Spielzeug. Einem in Wilten wohnhaften Eisenbahnerkinde wurden heute früh beim Spielen mit einer Sprengkapsel drei Finger der linken Hand weggerissen. Die Zehnjährige glaubte, eine Bleistifthülse vor sich zu haben und hat daran herumgestochert, bis das unheimliche Ding, das die Kinder bei einer Baracke fanden, explodierte. Da solches Zeug noch viel herumliegen dürfte, wäre es Angezeigt, daß die Kinder schon in der Schule darüber belehrt würden.

24. Juli 1919
Handel mit gestohlenen Friedhofsblumen. Der Gärtnergehilfe Josef H. Ist im Wiltener Friedhofe mit einem Korb voll frisch gepflückten Chrysanthemen getroffen worden, die er verschleppen wollte. Es waren ungefähr 600 Stück. die Untersuchung ergab, daß von ungefähr 30 Gräbern am Friedhofe diese Blumen abgeschnitten  worden waren. Der Gärtner wollte unzweifelhaft damit Handel treiben; er wurde wegen Diebstahls angezeigt.

26. Juli 1919
Innsbrucker Bürgern ist der Eintritt verboten! Welche Blüten die Verhetzung zwischen Stadt und Land treibt, läßt sich aus einer Aufschrift erkennen, die in der Lanser Alm aufgemacht ist. Dort ist angeschlagen, daß Innsbrucker Bürgern der Eintritt verboten ist. Höher geht’s nimmer!

Sporthaus Witting
Sporthaus Witting

29. Juli 1919
Im Sillkanal ertrunken. Gestern Nachmittag ist der 7 Jahre alte Franz Hofer, ein Weisenknabe, vom Garten des Scheuchenstuelschen Waisenhauses in der Museumstraße aus in den neben dem Garten vorbeifließenden Sillkanal gefallen und ertrunken. Etwa zwei Stunden nach dem Unglück fand man den armen Jungen tot an der Abzweigung des Kanals unter dem Viaduktbogen in der Viaduktstraße. Das Kind war von einem Organe des Jugenfürsorgevereines Nachmittag ins Waisenhaus gebracht worden; der ungewohnte Aufenthalt im Hause ängstigte das Kind, es entwischte in den Garten, rannte einer Lücke zu, die sich auf der Seite gegen die Meinhardstraße an der Garteneinfriedung zeigte und fiel in den Kanal. Dieser wurde abgelehrt, um die Nachforschungen nach dem Kinde zu erleichtern.

30. Juli 1919
Einen bösen Sturz tat gestern abends vor dem Wittinggeschäfte ein junger Mann. Infoge eines Nervenanfalles stürzte er zu Boden und bekam alsbald ober dem rechten Auge eine eigroße Blutbeule. Die Rettungsabteilung hat ihn in die Chirurgische Klinik bringen müssen.

31. Juli 1919
Die wandernde Kugel. Ein 30jähriger Kriegsbeschädigter ist gestern nachmittags im Innrain auf einmal nicht mehr weiter gekommen. Sein im rechten Fuß befindlicher Steckschuss ist die Ursache. Die Kugel senkte sich in die Nähe des Sprunggelenks. Die Rettungsabteilung schaffte ihn ins Spital zur Röntgenaufnahme und dann in die Wohnung nach Pradl.