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Der Postkarte um 1910 „Altes Landgerichtsgebäude“ weist darauf hin, dass dort zwischen 1817 und 1887 das Landgericht Sonnenburg bzw. das Bezirksgericht Innsbruck untergebracht war.
Der Postkarte um 1910 „Altes Landgerichtsgebäude“ weist darauf hin, dass dort zwischen 1817 und 1887 das Landgericht Sonnenburg bzw. das Bezirksgericht Innsbruck untergebracht war.

Innsbruck vor 100 Jahren - Juni 1917

Aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum von Angelika Kollmann-Rozin

01. Juni 1917
Wiener Kinder auf der Reise in die Schweiz. Heute früh um 7 Uhr sind vierhundert Kinder aus Wien, Prag, Brünn, Graz und Pest in Innsbruck durchgereist, die auf Anregung des Kriegshilfebureaus des Ministeriums des Inneren zum Landaufenthalte in der Schweiz gebracht werden. Die Kinderschar, die unter der Führung der Baronin Proilo und des Gemeinderats Dr. Löwenstein aus Wien stand, wurde in Kieners Bahnhofgastwirtschaft mit Frühstück versehen und setzte dann unter jubelnden Rufen und Schwenken der mitgebrachten Fähnchen die Reise fort. Zur Begrüßung hatten sich am Bahnhofe eingefunden Statthalter Graf Toggenburg mit Hofrat Dr. v. Wildauer und dem Präsidialvorstand Bezirkshauptmann Bundsmann. Die Kinder, denen man die Freude über den bevorstehenden Landaufenthalt an den Gesichtern ablesen konnte, befanden sich trotz der langen Reise außerordentlich wohl, und es ist zu erwarten, daß sie der Aufenthalt in der gastfreundlichen Schweiz kräftigen und widerstandsfähiger machen wird.

06. Juni 1917
Bitte aus dem Felde. Ein paar lustige Unterjäger aus Innsbruck, derzeit im Tiroler Grenzgebiet, bitten um Ueberlassung einer Mandoline zur Aufheiterung im Kameradschaftskreise. Spenden übermittelt gerne die freiwillige Rettungsabteilung, Rathaus, 2. Hof, rechts.

Stedens Apollosaal, Museumstraße 20 (Foto um 1915)
Stedens Apollosaal, Museumstraße 20 (Foto um 1915)

09. Juni 1917
Frauen und Kriegsanleihe. Am 6. Juni fand im Apollosaal, hier, eine außerordentlich zahlreich besuchte Versammlung von Hausfrauen statt, bei der Frau Professor Brunner in schöner Rede die Pflichten der Hausfrauen gegen den Staat, insbesondere anläßlich der 6. Österr. Kriegsanleihe sprach. Als besonders empfehlenswert erschien der Rednerin die Kriegsanleihenversicherung des k. k. österr. Militär-Witwen- und Waisenfonds, die es jeder Familie ermöglicht, sowohl die Pflichten gegen den Staat als auch gegen die Angehörigen und insbesondere die Kinder zu erfüllen. Die Versammlung hat sicher zur Erhöhung des Zeichnungsergebnisses in Innsbruck ein Bedeutendes beigetragen.

11. Juni 1917
Gemüsediebe. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurden in der Sternwartstraße Nr. 4 und in der Schneeburggasse Nr. 10 die Gemüsegärten heimgesucht. In beiden Häusern wurde Gemüse in größerer Menge gestohlen. Solche Besuche könnten einem das Gemüsebauen verleiden.

19. Juni 1917
Keine Bitten um Autogramme an höhere Kommandanten. Bei den höheren militärischen Stellen langen fortgesetzt zahlreich Briefe und Postkarten mit der Bitte um Autogramme ein. Wenngleich diese zumeist aus Schülerkreisen stammenden Bitten einem patriotischen Empfinden entspringen mögen, halten sich die Einsender nicht entsprechend gegenwärtig, daß die Zeit der Empfänger in unnützer Weise in Anspruch genommen wird und überdies bei dem Uebermaß derartiger Karten und Briefe die Posteinrichtungen eine bedeutende Mehrbelastung erfahren. Da die Beantwortung aller dieser Ersuchen vonseiten der höheren Kommandanten ganz ausgeschlossen ist, wird es sich empfehlen, dieselben als zwecklos zu unterlassen.

Werbeplakat für die 6. Österreichische Kriegsanleihe (Plakat 1917)
Werbeplakat für die 6. Österreichische Kriegsanleihe (Plakat 1917)

20. Juni 1917
Er braucht keine Fettkarten mehr. In einer der letzten Nächte wurde in einem großen Ansitze Wiltens ein Schwein gestohlen. Der Dieb, bis heute noch unbekannt, besiegelte seinen nächtlichen Raubzug mit einem boshaften Witze, der noch gelten kann: er befestigte an der Stalltüre seine gesamten Fettkarten, sechs an der Zahl.

22. Juni 1917
Rücksichtnahme auf die Barfußgeher! Zur jetzigen Zeit, in der das Barfußgehen nicht nur angenehm, sondern sehr nützlich ist, sollte sich jedermann hüten, Gegenstände, an denen sich Barfußgeher verletzen könnten, auf den Boden zu werfen. Gestern hat sich in der Altstadt ein zehnjähriger Junge eine lange Nadel tief in den linken Fußballen eingetreten.

Wagenführerin und Schaffnerin auf der Lokalbahnlinie Innsbruck – Hall i. T. (Foto zwischen 1915 und 1918)
Wagenführerin und Schaffnerin auf der Lokalbahnlinie Innsbruck – Hall i. T. (Foto zwischen 1915 und 1918)

25. Juni 1917
Eine Schaffnerin verunglückt. In der Leopoldstraße ist gestern abends eine Schaffnerin der Lokalbahn aus dem in Fahrt befindlichen Zuge der Haller-Bahn gestürzt. Sie blieb mit einigen Verletzungen liegen und wurde bewußtlos. Niemand war Zeuge des Unfalles, die Schaffnerin selbst aber ist wegen des Zustandes noch nicht vernehmungsfähig. Die Verletzte befindet sich im Spital. Bild 4

28. Juni 1917
Die Erntemarschkompagnien. Eine wichtig Kriegsmaßregel, wichtig sowohl für die Front, wie auch für das Hinterland, die der Einbringung unserer Ernte dienen soll, ist von unserer Heeresleitung beschlossen worden und bereits in der Durchführung begriffen. Danach werden „Erntemarschkompagnien“ zusammengestellt, die, dorthin, wo es notwendig sein wird, entsendet werden, um bei den Erntearbeiten mitzuwirken. Dadurch werden die übrigen Vorsorgen für die Ernte-Einbringung, die in der Beurlaubung der selbständigen Landwirte und in der Beistellung von Arbeitspartien bestehen, aufs wirksamste ergänzt. Man kann sich die Erntemarschkompagnien als vollkommen intakte Kampftruppen vorstellen, die wie für die Front bewaffnet und ausgerüstet sind und in jedem Augenblick in der Lage sein müssen, anstatt der Pflugschar das Gewehr zu gebrauchen.

30. Juni 1917
In der Milchabholstelle im Schulhause in der Höttingerau wurde kürzlich von Marktkommissär von Hötting eine Milchkontrolle vorgenommen. Dieselbe hatte zum Ergebnis, daß die Milch der Frau Huber in der Höttingerau stark mit Wasser versetzt war. Gegen die Lieferantin wurde Anzeige erstattet.