Logo Innsbruck informiert
Mit Fortgang des Krieges wurde die ohnehin schon schlechte Versorgung mit Lebensmittel immer katastrophaler.
Mit Fortgang des Krieges wurde die ohnehin schon schlechte Versorgung mit Lebensmittel immer katastrophaler.

Innsbruck vor 100 Jahren - Juni 1918

aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum von Lukas Morscher

02. Juni 1918
Erhöhung des Butterpreises. Heute kam zum ersten Male in Innsbruck der erhöhte Butterpreis zur Anwendung, statt 8 K 9 K für das Kilo. Die Preiserhöhung soll auch ein Mittel zur Ermunterung der Buttererzeuger sein, mehr anzuliefern. Hoffen wir es!

07. Juni 1918
Beim Aufspringen auf die Elektrische ist gestern nachmittags am Burggraben ein achtjähriger Junge verunglückt. Er huldigte wahrscheinlich dem Sport des „Mitfahrens“ am Trittbrett, wie man es leider nur zu oft sehen muß. Diesmal hatte er Pech, wurde hinausgeschleudert und hat verschiedene Denkzettel in Form von Beulen und Rißwunden abbekommen.

08. Juni 1918
Unglück durch eine Handgranate. In der militärischen Ubikation „Retterbracken“ im Westen der Stadt hat sich gestern nachmittags ein folgenschweres Unglück zugetragen, das bedauerlicherweise auch das Leben von Vaterlandsverteidigern kostete. Der Kaiserjäger-Leutnant Siegfried Frenner aus Innsbruck hielt vor seiner Mannschaft Schule unter Gebrauch und Anwendung der Handgranate. Zum Vortrage benütze der Offizier eine geladene Granate. Plötzlich und anscheinend ohne äußeren Einfluß krepierte die Granate in der Hand des Offiziers. Die Wirkung war eine schreckliche und unheilvolle: Leutnant Frenner erlitt furchtbare Verletzungen. Von den ihm zunächst stehenden Soldaten wurden ungefähr dreizehn mehr oder weniger schwer verletzt. […]

Sonnwendfeuer auf den Bergen gab es nur in Friedenszeiten.
Sonnwendfeuer auf den Bergen gab es nur in Friedenszeiten.

10. Juni 1918
Sonnwendfeier. So wie in den Vorjahren findet auch heuer wiederum eine ernste, der Zeit wohl angepaßte, Feier statt, und zwar am 26. Juni auf dem Ausstellungsplatze. Herr Hoyer, der bekannte Wanderlehrer der Südmark, wird die Festrede halten, hierauf wird beim brennenden Holzstoß die „Wacht am Rhein“ gesungen. Am Platz spielt die Wiltener Musikkapelle.

11. Juni 1918
Bitte aus dem Felde. Die Mannschaft einer Maschinengewehrabteilung des 1. Regiments der Tiroler Kaiserjäger schreibt uns: Die Mannschaft meiner Abteilung, welche auf einsamer Höhenstellung, die noch im tiefen Schnee liegt, möchte zur Aufheiterung gerne in freien Stunden etwas musizieren, es fehlt aber an Instrumenten. Eine Ziehharmonika oder Guitarre wäre daher sehr erwünscht. Die Adresse ist der Schriftleitung bekannt.

12. Juni 1918
Zusammensitzen in Überkleidern und Hüten verboten. Wien, 9. Juni. In jenen Kaffeehäusern, die als Schleichhändlerbörsen benützt wurden, sind seit einigen Tagen Plakate mit folgender Inschrift angebracht: „Von Seite des Kriegswucheramtes wurde angeordnet: Das Zusammenstehen und –sitzen der Gäste in Überkleidern und Hüten ist nicht gestattet. Gepäckstücke, Taschen und Rucksäcke dürfen zur Aufbewahrung nicht übernommen werden.“ Dieses Verbot ist die Folge jener Vorkommnisse, welche die Polizei und die Gerichte wiederholt beschäftigten. Einzelne Kaffeehäuser dienten als Magazine für Schleichhändlerwaren und das Zusammenstehen und -sitzen in Überkleidern und Hüten erleichterte jenen Gästen, welche die Polizei zu fürchten hatten, einigermaßen die Flucht.

Ein fünfzigprozentige Erhöhung der Fahrpreise traf die notleidende Bevölkerung schwer.
Ein fünfzigprozentige Erhöhung der Fahrpreise traf die notleidende Bevölkerung schwer.

13. Juni 1918
Hungerburgbahn. Mit 1. Juli 1918 tritt auf der Hungerburgbahn eine ungefähr 50%ige Erhöhung des Personen-, Gepäck- und Gepäckgütertarifes in Kraft.

14. Juni 1918
Der erste Baumeister in Hötting. Der in Hötting wohnhafte und ansässige Maurer- und Zimmermeister Franz Achammer hat in den letzten Tagen vor der Prüfungskommission in Innsbruck die Baumeisterprüfung mit gutem Erfolge abgelegt. Hötting, eine der größten Gemeinden Tirols, hat nun den ersten eigenen Baumeister.

17. Juni 1918
Eine Demonstration infolge eines Irrtums. In den Räumen der Bäckerei Erhart in der Museumstraße befindet sich einigen Tagen eine Militär-Bäckerei. Die Tatsache, daß in einem Magazin, dessen Fenster in die Erlerstraße mündet, eine größere Menge ärarischen Brot aufgestapelt war, gab gestern nachts Anlaß zu einer Demonstration. Die angesammelte Menschenmenge war irrtümlich der Meinung, es handle sich hier um größere Brotvorräte der Bäckerei Erhart. Die Leute wurden durch die Polizei zerstreut. Es wird zur Vermeidung derartiger Irrtümer, an der Bäckerei eine entsprechende Tafel angebracht werden, die diese als militärischen Betrieb kennzeichnet.

21. Juni 1918
Zur Verhütung von Vergiftungen bei Genuß von Schwämmen wird die Bevölkerung von Innsbruck aufmerksam gemacht, daß Schwämme beim städtischen Marktamte, Innrain 4, 2. Stock (Fleischbankgebäude) unentgeltlich von 10 bis 11 Uhr zur Untersuchung vorgelegt werden können.

Die Annasäule hat in den 300 Jahren ihres Bestehens schon viel gesehen.
Die Annasäule hat in den 300 Jahren ihres Bestehens schon viel gesehen.

22. Juni 1918
Die ersten Engländer in Innsbruck. Das gestrige „Abendblatt“ berichtete, in den letzten Tagen sei der erste gefangene Engländer nach Innsbruck gebracht worden. Wie wir erfahren, befinden sich mehr als ein gefangener Engländer in Innsbruck. Als letzthin einige kranke und verwundete Offiziere in Innsbruck eintrafen, befanden sich in deren Gefolge gefangene englische Soldaten, die aber nicht als Kriegsgefangene transportiert wurden, sondern als Diener der Offiziere. Sie wurden auch als solche behandelt. Die Offiziere hatten wahrscheinlich ihre Diener verloren oder diese zurücklassen müssen und waren nun auf den denkwürdigen Einfall gekommen, gefangene englische Soldaten vorläufig als solche zu verwenden.

23. Juni 1918
Die Brotnot in Innsbruck. Wie uns die Bäckergenossenschaft mitteilt, wird der Brotmangel in der kommenden Woche noch viel empfindlicher und größer werden, als bisher, und wahrlich, die Brotverhältnisse in Innsbruck sind traurige, sehr beunruhigende. Daran tragen natürlich nicht die Bäcker die Schuld, wie manche Leute noch immer glauben, es liegt am Mehlmangel, der Zuweisung des Backmehls. Wenn die Bäcker nur zweimal in der Woche Mehl erhalten, können sie auch nicht öfter Brot ausgeben. Da besteht also eigentlich gar kein Unterschied mehr zwischen Wien und Innsbruck: dort wird die Brotkarte gekürzt und bei uns wird sie nicht eingelöst. Wenn man es genau untersuchen wollte, wären die Wiener wahrscheinlich besser daran, als wie, denn diese bekommen wenigstens jene Brotmenge, welche ihnen die verkürzte Karte zusichert.

Der Ort des Tumultes wegen ein paar Laiben Brot.
Der Ort des Tumultes wegen ein paar Laiben Brot.

23. Juni 1918
Abenteuer eines schlecht behüteten Offizierssäbels. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag – die Uhr rückte bereits gegen die Mitternachtsstunde vor – hat sich in der Maria Theresienstraße eine recht peinliche Szene zugetragen, die dann im Hauptwachzimmer des Rathauses ihre Fortsetzung fand. Eine stellenlose Kontoristen aus Graz passierte den Gehsteig, anscheinend ganz allein; in ihrer Rechten hatte sie einen Offizierssäbel, mit dem sie herumfuchtelte. Ein Metzgergehilfe kam zur gleichen Zeit durch die Straße. Ihm fiel die bewaffnete Person und ihr merkwürdiges Gehaben auf, zudem erkannte er sie, weil ihn das Mädchen einige Tage vorher zu sich geladen hatte; der junge Mann hielt es deshalb für seine Pflicht und Schuldigkeit, der fragwürdigen Amazone den Säbel abzunehmen. Diesen trug er ins Hauptwachzimmer der Polizei im Rathause. Ihm auf dem Fuße folgten nun einige Offiziere, von denen einer, ein Oberleutnant, energisch seinen Säbel zurückforderte. Es entspann sich nun ein aufregender Wortwechsel, denn der Metzger weigerte sich, den Säbel herauszugeben, der Offizier aber bestand darauf. Ein zweiter Offizier wollte mit seinem Säbel den Metzger niederschlagen, Wachleute verhinderten aber rasch und geschickt ein Blutvergießen. Der telephonisch gerufene Inspektionsoffizier machte dann der Affäre ein Ende, der Offizier erhielt seinen Säbel zurück, die Kontoristin aber wurde vorläufig wegen Verdachts der Geschlechtskrankheit und der Gewerbs-Unzucht in polizeilichem Gewahrsam behalten. 

28. Juni 1918
Ausgabe von Zwirn. Der Verband der Kleidermacher-Fachgenossenschaften teilt mit, daß schwarzer und weißer Zwirn unter den bisherigen Bedingungen verausgabt wird. Für die Mitglieder der Genossenschaft Innsbruck ist derselbe Adamgasse Nr. 8 (Geschäftslokal rückwärts) zu beziehen.