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Ing. Josef Riehl zählte mit seinen Bahn- und Straßenprojekten zu den bedeutendsten Ingenieuren seiner Zeit. Das Kraftwerk Obere Sill, welches zwischen 1901-1903 nach seinen Plänen erbaut wurde, lieferte den elektrischen Strom für den Betrieb der Standseilbahn auf die Hungerburg, die Stubaitalbahn und die erste Straßenbahnlinie von Innsbruck. Foto um 1903
Ing. Josef Riehl zählte mit seinen Bahn- und Straßenprojekten zu den bedeutendsten Ingenieuren seiner Zeit. Das Kraftwerk Obere Sill, welches zwischen 1901-1903 nach seinen Plänen erbaut wurde, lieferte den elektrischen Strom für den Betrieb der Standseilbahn auf die Hungerburg, die Stubaitalbahn und die erste Straßenbahnlinie von Innsbruck. Foto um 1903

Innsbruck vor 100 Jahren - März 1917

aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum von Renate Ursprunger

01. März 1917
Ein Trauertag für die Raucher. Infolge der gewaltigen Steigerung sämtlicher Produktionskosten hat sich die österreichisch-ungarische Monopolverwaltung genötigt gesehen, die Erzeugnisse der Tabakregien einer neuerlichen Preissteigerung von 30 Prozent zu unterziehen. Leider ist es infolge der andauernden Schwierigkeiten in der Beschaffung der Rohstoffe und der gesteigerten Anforderungen der Heeresverwaltung nicht möglich, gleichzeitig auch den empfindlichen Tabakmangel zu beheben, zumal da die Monopolverwaltung mit den Rohstoffen haushälterisch umgehen muß, um bis Ende des Krieges auszukommen.  

02. März 1917
Trauersitzung für Dr. Riehl. Der ständige Ausschuß des Vereins der Ingenieure in Tirol und Vorarlberg hielt am 26. v. M. eine Trauersitzung für sein verstorbenes Ehrenmitglied Oberbaurat Dr. Riehl ab. Der Präsident des Vereins, Ing. Seifert, hielt dem Verstorbenen einen warmen Nachruf. Die zum Schlusse der Trauersitzung dem Ausschuß zur Kenntnis gebrachte letztwillige Verfügung des verstorbenen Ehrenmitgliedes über die Zuwendung von 3000 Kronen aus dem Nachlasse wurde mit Dank zur Kenntnis genommen.

Ferdinand Exl, Direktor der Exl-Bühne. Foto um 1915
Ferdinand Exl, Direktor der Exl-Bühne. Foto um 1915

03. März 1917
Innsbrucker Stadttheater. Heute abends halb 8 Uhr gelangt zum erstenmale „Volk in Not“, ein deutsches Heldenlied in drei Akten von Karl Schönherr zur Aufführung. Die Hauptrollen des von Herrn Spielleiter Köck inszenierten Stückes liegen in den Händen der Damen Anna Exl, Anna Zötsch, Gstöttner, Anna Selhofer, Lia Meinrad, Luise Leitner, Marianne Karina, sowie der Herren Dir. Exl, Köck, Auer, Mazel, Pohl, Kalbach, Richter, Ferstl, Ellersdorfer, L. Auer, Leitner und Weger. Der äußerst schwierige Auf-, bezw. Abbau des zweiten Aktes (Berg Isel), erfordert eine größere Pause nach dem 1. und 2. Akt. Die Vorstellung findet bei aufgehobenem Stammsitzvorrecht statt, wobei Dutzend- und Ermäßigungskarten keine Gültigkeit haben.

06. März 1917
Der Stand der ansteckenden Krankheiten. Vom Gesundheitsamte der Statthalterei in Innsbruck werden folgende Infektionskrankheiten in der Woche vom 18. bis 24. Feber in Tirol und Vorarlberg gemeldet: Scharlach 11, Diphterie 32, Typhus 7 und Notlauf 1.

07. März 1917
Sie kommen nicht zur Einsicht! Trotz der Kriegsnot sieht und spürt man noch genügend Alkoholstimmung. Unlängst um 12 Uhr nachts zog eine Bande junger Leute, natürlich mit einer Damenbegleitung, durch das Kirschental und demolierte teilweise das starke gußeiserne Gitter am Mariahilfer Friedhofweg.

08. März 1917
Frau Professor Virginia Brunner feiert heute ihren 60. Geburtstag. Sie gehört zu jenen wenigen Frauen, die aus des Hauses engem Rahmen hinausgestrebt und deren Aktivität und Temperament einen größeren Wirkungskreis gefunden. Sie hat als erste hier die Frauenfrage als wirtschaftliche Erscheinung erfaßt und sich durch Gründung des Vereines der arbeitenden Frauen bemüht, ihr eine theoretische Basis zu schaffen. Der Zusammenschluß der Frauen ist ihr aber erst durch die Gründung der Ortsgruppe der „Rohö“ gelungen, die durch die Kriegsverhältnisse im Mittelpunkt der Aktualität steht. Durch eine große Reihe belehrender Vorträge auf wirtschaftlichem Gebiet, durch gute Gedanken und Anordnungen hat sie sich in unseren Tagen viel Verdienste erworben. Ihrer großen Tatkraft, ihrem reichen Interesse für alle Fragen des praktischen Lebens, ihrem Organisationstalent verdankt unsere Stadt manche Institution und deshalb gedenken ihrer die Frauen Innsbrucks heute in Dankbarkeit.

12. März 1917
Wegen Mangels geschlossen. Gestern waren in Hötting die Gasthäuser Rainerwirt und Tengler (Julie Baumgartner) während des Nachmittages bis Abend wegen Weinmangels geschlossen.

Ausschnitt aus der Panoramadarstellung der Schlacht am Bergisel im Riesen-Rundgemälde bei der Kettenbrücke. Postkarte um 1910
Ausschnitt aus der Panoramadarstellung der Schlacht am Bergisel im Riesen-Rundgemälde bei der Kettenbrücke. Postkarte um 1910

22. März 1917
Das Berg Iselschlachtpanorama auf einer Gastreise nach Wien. Der Panoramaverein teilt uns mit: Das äußerst wirkungsvolle Rundgemälde „Die Schlacht am Berg Isel 1809“, das seit Jahren einen unserer kostbarsten Schätze bildet, wird in nächster Zeit nach Wien gebracht werden, um dort in der Kriegsausstellung Aufnahme zu finden. Dort wird es inmitten der zahlreichen Trophäen aus dem gegenwärtigen Kriege als würdiges Gedenkzeichen Zeugnis davon ablegen, wie vor nunmehr hundert Jahren Tiroler Heldenmut dem Kaiser sein geliebtes „Landl“ erhielt.

24. März 1917
Der erste Theaterbesuch. Von Schwindel ergriffen wurde gestern auf der Galerie des hiesigen Stadttheaters eine vierzigjährige Unterinntaler Bäuerin. Sie war noch nie in einem Theater; das Hinabschauen aus solcher Höhe brachte die sonst gesunde Frau einer Ohnmacht nahe. Erst durch Erbrechen wurde ihr Befinden besser. Ein anwesender Samariter der Rettungsabteilung leistete nötigen Beistand.

31. März 1917
Des Lenzmonds Abschied. Ungemütliche Tage brachte uns der Lenzmond und heute als er sich verabschiedet, wurde uns noch ein Exempel seiner abscheulichen Launen beschert. Wildtobender Südwind, der zweitweise zu Sturm auswuchs, brachte uns während der Nacht Regen, eine Erscheinung, die uns in dem abgelaufenen Monat nicht fremd war. Vom meteorologischen Frühlingsbeginn haben wir bisher noch nicht viel verspürt.