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Das seit 1912 bestehende ehemalige Hotel Union in der Adamgasse – Ecke Heiliggeiststraße.
Das seit 1912 bestehende ehemalige Hotel Union in der Adamgasse – Ecke Heiliggeiststraße.

Innsbruck vor 100 Jahren - Mai 1917

aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum von Lukas Morscher

02. Mai 1917
Mehr Rücksicht auf die Barfüßigen. Schuh- und Ledernot hat heuer früher als andere Jahre die kostspieligen Schuhe von den Füßen der Kinder gestreift. Ein Gebot der Nächstenliebe ist nun, unnötige Schädigung solcher Kinder fernzuhalten. Manche Personen haben die Gewohnheit, Glasscherben, zerbrochene Töpfe u. dgl. einfach auf den Weg zu werfen. Gegenwärtig sollte wenigstens die Rücksicht auf die armen Unbeschuhten solche Vorkommnisse hintanhalten, damit sich die Kinder nicht beschädigen.

03. Mai 1917
Die Wirte und der Krieg. Wegen Wein- und Biermangel bleiben bis auf weiteres das Herren-, sowie das Gastzimmer im Hotel „Union“ (Hotelbetrieb bleibt aufrecht), geschlossen. – An Sonn- und Feiertagen wird in der Pension „Schönruh“ (Amras) weder Bier noch Wein, hingegen aufgrund behördlicher Erlaubnis von 2 bis 6 Uhr Kaffee ausgeschenkt.

„Tatort Erzherzog-Eugenstraße“.
„Tatort Erzherzog-Eugenstraße“.

07. Mai 1917
Ein warnendes Beispiel. Vom Hunger gepeinigt, vielleicht auch aus Gewohnheit, riß ein mittelgroßer Hund in der Erzherzog Eugenstraße vom unbeaufsichtigten Wagen eines Metzgers ein schönes Stück Fleisch herab und zerrte es zur Mahlzeit in die nahe Wiese. Wenn das Fleisch besser versorgt gewesen wäre, hätte dies nicht vorkommen können. Dann heißt es wieder: Das Fleisch ist gestohlen worden.

Stundenlanges Anstellen für ein paar Tropfen Milch. Hier ein Bild vom Fotografen Richard Müller in der Liebeneggstraße.
Stundenlanges Anstellen für ein paar Tropfen Milch. Hier ein Bild vom Fotografen Richard Müller in der Liebeneggstraße.

09. Mai 1917
Vom „Milch-Anstehen“. Der kommende Samstag wird für die Hausfrauen wieder ein Tag des Schreckens werden; heißt es doch, besonders in der Verschleißstelle in der Schlossergasse 3, schon um halb 10 Uhr Vormittag oder noch früher gar „anzustellen“, um endlich, ernst nach 5 Uhr Nachmittag, die Einschreibung bewerkstelligen zu können und die Nummern zu bekommen, nach denen ausgegeben wird […].

11. Mai 1917
Frauenansammlung vor dem Rathaus. Gestern nachmittags kam eine große Zahl von Frauen zum Rathause, um Wünsche wegen Lebensmittel vorzubringen. Eine Abordnung der Frauen begab sich ins Bürgermeisteramt, um ihre Angelegenheiten vorzubringen, die übrigen verhielten sich, in ruhiger, eindrucksvoller Bekräftigung der Berechtigung ihrer Wünsche, vor dem Rathause auf. In den letzten Tagen wurde das Brot wieder etwas knapper, aus dem Grunde, weil die Nachfrage nach solchem wieder etwas größer war, denn die Qualität des Brotes ist nun eine wesentlich bessere geworden; daher kann auch die starke Nachfrage.

14. Mai 1917
Zur Bekämpfung der Maikäferplage wurden von der politischen Behörde die Gemeindevorstehungen, Gemeindewirtschaftsräte, die Schulen und die Seelsorger im Hinblick auf die überraschende Menge, in welcher die Maikäfer plötzlich mit Beginn der schönen Witterung auftreten, sowie in Anbetracht der enormen Größe des sonst zu befürchtenden Schadens unter Hinweis auf die diesbezüglichen Bestimmungen des Landesgesetzes beauftragt, sofort die Maikäfer durch Kinder sammeln zu lassen. In siedendes Wasser geworfen und dadurch getötet, sodann getrocknet, stellen die Maikäfer ein vorzügliches Geflügel- und Schweinefutter dar. Im Falle mangelnder Sammeltätigkeit müßte ein Sammelzwang platzgreifen.

Städter als Frevler der Fluren?
Städter als Frevler der Fluren?

15. Mai 1917
Schonet die Fluren. Vorgestern war wieder so ein prächtiger Sonntag, der zu Ausflügen und Spaziergängen in die Umgebung der Stadt einlud, und, so hoffen wir, kommen heuer noch mehrere solcher Erholungstage. Ein übler Brauch der Sonntagsausflügler groß oder klein soll hier wieder einmal gerügt werden, eine Unsitte, die ganz besonders heuer nicht oft genug gerügt werden kann, zu dem Zwecke, um endlich auch bei den Unvernünftigsten einen Erfolg zu sehen. Groß ist die Zahl der Ausflügler, die mit Blumen beladen heimkehren, mit Feldblumen, die sie auf freier Wiese gepflückt haben. Da gibt es Leute, die mit einigen Blümlein verschiedener Arten nicht zufrieden sind, es müssen ganze Bündel sein, die sie mitschleppen, ein jedes Mitglied aus der sechs- oder achtköpfigen Familie hat seinen Strauß. Man bedenke den Schaden, der bei solchem Unfug der Landwirtschaft erwächst und unterlasse jeden Überschwang und jede Übertreibung.

16. Mai 1917
Hausfrauen-Zusammenkunft. Heute wird unter Führung von Frau Professor Brunner eine Besichtigung städtischer Anlagen vorgenommen. Treffpunkt 3 Uhr im Schlachthofe. Alle Teilnehmerinnen an den Kriegsvorträgen sind eingeladen.

Wie viele Türklinken braucht man für eine Granate?
Wie viele Türklinken braucht man für eine Granate?

21. Mai 1917
Die Auswechslung der Messingklinken. Im Juni wird in allen Orten Oesterreichs von 2000 Einwohnern aufwärts mit der Auswechslung der Messing- und Bronzeklinken begonnen werden. Zunächst werden 18 Millionen Paar eiserner Klinken als Ersatz zur Verfügung gestellt. Für diese Arbeit wurde von der Wiener Schlossereigenossenschaft eine Türklinkenersatz-Gesellschaft „Teg“ gegründet. Die Arbeit wurde an die Wiener Schlossergenossenschaft als Notstandsaktion vergeben, an der 3500 Schlossermeister beteiligt sind. Der „Teg“ stand ein Prager Konsortium gegenüber. Durch die Auswechslung werden der Kriegsverwaltung neun Millionen Kilogramm Messing, Bronze und Rohguß zur Verfügung stehen. Die Auswechslungsarbeit erfolgt kostenlos.

22. Mai 1917
Die billigste Fleischversorgung stellt die Kaninchenzucht dar und deshalb ersucht der Kaninchenzuchtverein Innsbruck alle Villenbesitzer der Stadt und Umgebung um Bekanntgabe noch nicht vergebener Rasenflächen zwecks Futtergewinnung.

22. Mai 1917
Unter freiem Himmel. Im Hause Probstenhofweg Nr. 7 wurde vor einigen Tagen einer Partei die Wohnung gekündigt und da die Partei anscheinend bis heute keine geeignete Wohnung gefunden hat, wurden ich die Habseligkeiten vor die Türe gestellt. In dieser trostlosen Lage half sich die Partei auf folgende Weise: Neben dem Hause wurde das Lager aufgeschlagen, ein Sofa dient als Ruhestätte während der Nacht. Ob dieser Zustand länger dauern kann, ist wohl zu bezweifeln. Da soll doch die Gemeinde Mittel schaffen.

30. Mai 1917
Das Dampfbad in der Kaiser-Wilhelm-Straße [= Salurnerstraße] muß wegen der Unmöglichkeit, Kohlen zu beschaffen, vorläufig geschlossen werden.

31. Mai 1917
Sofortige Ablieferung der Metallgeräte. Montag, den 4. Juni ab 8 Uhr früh findet eine neuerliche Uebernahme der auf Grund der Minist.-Ver. vom 16. Juni 1916, R.-G.-Bl. Nr. 181, ablieferungspflichtigen Geräte aus Kupfer, Messing, Nickel und Zinn, welche aus irgend welchen Gründen bisher nicht zur Ablieferung gelangten, statt, und zwar im Hause Amraserstraße Nr. 1 (ehem. Akzishäuschen vor der Rhomberg´schen Spinnfabrik). Fristen für Ersatzbeschaffung können nicht mehr erteilt werden; es sind die Metallgeräte daher ohne Rücksicht darauf, ob Ersatzgeräte vorhanden sind oder nicht, abzuliefern.