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Innsbruck vor 100 Jahren - Mai 1918

aus dem Innsbrucker Stadtarchiv/Stadtmuseum vom Tamara Eberhart

01. Mai 1918
Hofgarten-Konzerte. Die Promenaden-Konzerte des städt. Orchesters beginnen Donnerstag, den 2. Mai und werden um halb 6 Uhr nachmittags abgehalten.

03. Mai 1918
Ein Verdienst kann sich jener erwerben, der die Flegel ausfindig macht, welche seit einigen Tagen in einer ganz unerhört frechen bübischen Weise die Berufsfeuerwehr alarmieren. Innerhalb 14 Tagen ist die Feuerwehr nicht weniger als sechsmal unter mißbräuchlicher Benützung der Feuermelder nutzlos alarmiert und genarrt worden, das einemal zum Bierstindl am südlichen Ende der Stadt, ein andersmal in die Fischergasse und gestern von der Trainkaserne im untersten Teile des Saggens aus, jedesmal falsch und in der Absicht, die Feuerwehr recht weit hinauszulocken. Unter Beihilfe von Passanten wird es sicher gelingen, die Missetäter auszuforschen.

06. Mai 1918
Handgranaten in Kinderhänden. Im Sillkanal, dessen Wasser seit Samstag nachts abgekehrt war, suchten, wie gewöhnlich bei dieser Gelegenheit, die Kinder nach allerlei auf dem Kanalgrunde liegenden Gegenständen. Ein elfjähriger Bursche, namens Wechselberger, fand bei dieser Suche im Kanal zwei Handgranaten. Im Hofe des Hauses Universitätsstraße 19 spielten in den Nachmittagsstunden mehrere Kinder mit den beiden Geschossen, ohne sich dabei der damit verbunden Gefahr bewußt zu sein. […]

10. Mai 1918
Mißlungener Einbruch. Von der Tempelstraße aus versuchte nachts ein unbekannter, etwa 40 Jahre alter Mann, in den Keller eines Hauses einzubrechen. Er war auch schon nach dem Ausbruche des Gitters an einem der Kellerfenster in den Keller hinabgelangt, benahm sich aber so auffallend, daß man ihn im Hause hörte. Drei Frauen taten sich zusammen und verscheuchten den Einbrecher.

13. Mai 1918
Keine Anzahlung bei Lebensmittellieferungsverspechen. Schon zu wiederholtenmale gab es Gelegenheit zur Warnung. Personen, die gegen Anzahlung Lebensmittel zu liefern versprachen, keinen Glauben zu schenken; in den meisten solchen Fällen kann man annehmen, daß nur eine betrügerische Absicht dahinter steckt. Solche Fälle sind jetzt an der Tagesordnung, da es für manches arbeitsscheue Individuum viel leichter ist, auf solche Weise als durch redliche Arbeit zu Geld zu kommen. […]

14. Mai 1918
Neuer Fahrplan auf der Karwendelbahn. Am 15. Mai d. J. tritt auf den Linien Innsbruck-Garmisch-Reutte (Kempten) ein neuer Fahrplan in Kraft. Mit diesem Tage werden die Karwendelbahnzüge bis auf weiteres auch wieder bis und von Innsbruck-Hauptbahnhof geführt. Die neuen Verkehrszeiten sind aus den in den Stationen zum Aushange gelangenden Fahrplänen zu entnehmen.

15. Mai 1918
Der Wochenschweinemarkt in Innsbruck. Der Stadtmagistrat Innsbruck hat die Marktordnung für den an jedem Samstag hier stattfindenden Schweinemarkt in dem Sinne abgeändert, daß zu diesem Markte nur Käufer aus Nordtirol zugelassen werden.

Zeichnung vom Pradler Bauerntheater, hinter dem Lodronischen Hof (Egerdachstraße 11)
Zeichnung vom Pradler Bauerntheater, hinter dem Lodronischen Hof (Egerdachstraße 11)

19. Mai 1918
Das Pradler Bauerntheater endgültig geschlossen. Vergeblich wartet man heuer, bis sich die Holztüren der einzigen, originellen Pradler Bühne öffnen, trotzdem Ostern, die seit Jahren übliche Eröffnungszeit, schon vorüber ist. Mit wirklichem Bedauern müssen wir feststellen: Das Pradler Bauerntheater, seit dem Jahre 1865 bestehend, wird nicht wieder geöffnet, sein Schicksal ist endgültig gesiegelt, vergeblich harrt man heuer des Beginns der tragikomischen „Ritterhetzen“, der Volksstücke auf der Pradler Bühne. Die Ursache der Schließung des Pradler Bauerntheaters ist auf folgende Vorkommnisse zurückzuführen: Ein Maler namens Klingenschmied aus Hötting bemühte sich ebenfalls um die Direktion des Pradler Theaters, welche schon seit vielen Jahren in den bewährten und kundigen Händen der Frau Josefine Weiß liegt. Frau Weiß beharrte auf ihrer seit Jahr und Tag üblichen mündlichen Abmachung mit dem Besitzer der Bretterbühne und Inhaber des Lodronischen Hofes in Pradl; es kam zu einem Rechtsstreite, in dessen Verlaufe Frau Weiß erklärte, Sie verzichte auf ihre Konzession zu Theateraufführungen. Nun hat die Behörde entschieden, daß für das den feuerpolizeilichen Bestimmungen ganz und gar nicht entsprechende Theater keine Konzession mehr ausgegeben werde, es wird deshalb weder Klingenschmied, noch Weiß in Pradl spielen. Das Pradler Theater bleibt also endgültig gesperrt, denn auch für den Fall eines projektierten Neubaues werden die Verhältnisse an Ort und Stelle nicht entsprechen.

22. Mai 1918
Spart mit Gas!. Die Direktion des Innsbrucker Gaswerkes ersucht uns um Aufnahme folgender Notiz: Infolge der starken anderweitigen Beanspruchung der Bahn ist die Kohlenzufuhr derzeit eine sehr ungenügende; daher ist äußerste Sparsamkeit mit dem Gase erforderlich und jede Überschreitung der zugebilligten Menge unbedingt zu vermeiden. Angesichts dieser fortwährend sich verschlechternden Kohlenverhältnisse wird mit aller Strenge gegen Mehrverbraucher gemäß der Gas-Notverordnung vorgegangen werden müssen. Als Verbrauchsgrundlage bleibt jene vom April 1916 bis April 1917 bestehen, von welcher bis auf weiteres 80 Prozent = vier Fünftel verbraucht werden dürfen. Sollten die Kohlenverhältnisse sich nicht sehr bald bessern, so wird eine weitere Einschränkung erforderlich werden.

23. Mai 1918
Verbot des Friedhofbesuchs für Jugendliche in Hötting. Der Aufenthalt von Kindern ohne Begleitung und Beaufsichtigung Erwachsener, in den Friedhöfen Höttings ist verboten und würde die Eltern Dawiderhandelnder zur Verantwortung gezogen. – Dieses Verbot wäre auch für den Friedhof von St. Nikolaus sehr geeignet.

24. Mai 1918
Regen. Endlich, nach schwülen, hochsommerlichen Tagen, die uns verderbendrohende Trockenheit brachten, gab es gestern Niederschläge. Heftiger Sturm, der den Staub der ausgetrockneten Straßen in dichten Wirbeln durch die Stadt trieb, ging einem zahmen Gewitter voraus. Erst während der Nacht trat dann Regen ein, sehnlichst erwünscht von jedermann.

Blick von der Wilhelm-Greil-Straße auf den Mittelbau des Landesmuseum Ferdinandeum
Blick von der Wilhelm-Greil-Straße auf den Mittelbau des Landesmuseum Ferdinandeum

25. Mai 1918
Von der Straße. In der Maria Theresienstraße ist heute früh ein Fräulein von der Straßenbahn hinausgestoßen worden, weil sich dieses unvorsichtig benommen hatte. Es ging zwar ohne Verletzung ab, aber die Frühstücksmild – der Menge nach zu schließen für mehrere Personen, - welche das Fräulein in einem Kessel trug, floß auf die Straße.

29. Mai 1918
Museum Ferdinandeum. Es wird hiermit nochmals auf die am Freitag den 31. d. M. um 5 Uhr nachmittag im Rundsaale des Ferdinandeums stattfindende Generalversammlung des Vereines des tirolisch-vorarlbergischen Landesmuseums Ferdinandeum aufmerksam gemacht, wozu alle Mitglieder freundlichst eingeladen werden.

31. Mai 1918
Freiwillige Feuerwehr Innsbruck. Morgen Samstag findet der Austausch von Monturen und Ausrüstungsgegenständen statt. Und zwar von 7 – 8 Uhr abends, im Hauptfeuerwehrhause.