Logo Innsbruck informiert
Hier ist das heutige Hauptgebäude des Kaiserjägermuseums zu erkennen
Hier ist das heutige Hauptgebäude des Kaiserjägermuseums zu erkennen

Innsbruck vor 100 Jahren - November 1917

aus dem Stadtarchiv von Rafael Warger

02. November 1917
Vom Berg Isel. Wie wir erfahren, ist für die Zeit nach dem Kriege die Erweiterung und Umgestaltung der architektonischen Anlagen auf dem Berg Isel geplant, und zwar sollen schon in der großen Kriegs- und Kunstausstellung der Tiroler Kaiserjäger, die demnächst in den hiesigen Stadtsälen veranstaltet wird, eine Reihe von hierauf bezüglichen Projekten, von Künstlern und Architekten verfasst, ausgestellt werden. Es handelt sich um ein Millionenprojekt, nach dessen Grundzügen als Mittelpunkt der Anlagen das Andreas-Hofer-Denkmal gedacht ist, um das sich die verschiedenen Bauten entsprechend gruppieren sollen: ein neues Gebäude für das zu vergrößernde Kaiserjägermuseum, eine Ehrenhalle, die schon bestehende Gedächtniskapelle und ein modernes Restaurationsgebäude. Auch die Errichtung eines großen Kaiserjäger-Monuments ist in Erwägung gezogen. Über die endgültige Form der Ausführung soll erst später entschieden werden. […]

05. November 1917
Zeitweilige Einschränkung des Brotbezuges. Amtlich wird verlautbart: Die in den derzeitigen Kriegsverhältnissen begründeten Transportschwierigkeiten haben augenblicklich die Mehlzuschübe dermaßen beeinträchtigt, dass die Statthalterei sich zur Anordnung genötigt gesehen hat, dass vorläufig von jeder Brotsorte zwei Abschnitte (lautend auf je 70 Gramm Brot) nicht eingelöst werden dürfen.

08. November 1917
Viehzählung. Im Stadtgebiete von Innsbruck wird eine allgemeine Viehzählung angeordnet. Anmeldungen bis längstens 10. November beim Veterinäramte Innrain 4, Fleischbankgebäude.

09. November 1917
Im Winterkleide. Seit 24 Stunden liegt Berg und Tal unter der kalten Hülle des Winters, aber dieses ist leicht unbeständig und dünn, wird also keinen langen Bestand haben. Zudem ist es für einen ernstlichen Winterbeginn noch zu früh an der Zeit, die Hoffnung auf andauernden schönen Spätherbst besteht noch immer weiter.

Auf diesem Bild ist der Blick auf das Dampfbad der Städtischen Badeanstalt in der Salurnerstraße gerichtet
Auf diesem Bild ist der Blick auf das Dampfbad der Städtischen Badeanstalt in der Salurnerstraße gerichtet

10. November 1917
Die Wagner’sche k. k. Universitätsbuchdruckerei hat ihre Bureauräume, in der die Annahme aller Drucksorten vorgenommen wird, von der Erlerstr. 7 nach der Karlstraße 4, 1. St., dem gleichen Hause, in dem sich die Wagner’sche Leihbiblitohek befindet, verlegt. Die dadurch freigewordenen Räume in der Erlerstraße 7 werden zur Vergrößerung der Verwaltungsräume der „Innsbrucker Nachrichten“, des „Abendblattes“ und der „Neuesten Morgenzeitung“ verwendet.

11. November 1917
Auf Abwegen. Ein 9-jähriger Bub ist als unterstandlos aufgegriffen worden und befindet sich derzeit in der Obhut der Polizei. Sein Vater ist gestorben. Die Mutter sitzt in Arrest, der Arme war daher einige Zeit lang auf sich selbst angewiesen und sorgte für seinen Unterhalt auf dieselbe Weise, wie es ihm seine Mutter gelehrt hatte: durch Diebstahl.
Die Spezialität dieser Frau war es, mit ihrem Kinde aus den Häusern Kruzifixe und von den Gräbern und den Friedhöfen Weihwasserkessel aus Kupfer zu stehlen, um dafür Geld zu bekommen. Auf solche Weise brachten sie sich lange Zeit durch. Bisher war es möglich, 12 Kruzifixe und 18 Weihwasserkessel zu ermitteln, die sie gestohlen und zumeist bei Trödlern verkauft hatten. Beschädigte, denen in letzter Zeit solche Dinge gestohlen worden waren, sollen sich im Hauptwachzimmer der Polizei im Rathause melden.

14. November 1917
Die Zucker-Ausgabe in Innsbruck. Auf Grund vielseitiger Anfragen über die nächste Ausgabe des Zuckers geht uns vom Stadtmagistrate Innsbruck die Mitteilung zu, dass der restliche Teil des Novemberquantums wegen der andauernden Verladeschwierigkeiten dermalen noch nicht ausgegeben werden konnte. Energische Schritte, um die Zufuhren zu ermöglichen, wurden eingeleitet; es ist berechtigte Aussicht vorhanden, noch im Laufe dieses Monats das der Bevölkerung zustehende Quantum zu verabfolgen. Die von mehreren Seiten ausgesprochene Befürchtung, dass durch diese Verzögerung die Karten für November verfallen, ist nicht zu befürchten.

15. November 1917
Eine wöchentliche Höchstbetriebszeit für Badeanstalten. Eine Ministerialverordnung verfügt die Einführung einer 42-stündigen wöchentlichen Höchstbetriebszeit für die Badeanstalten. Die Badeanstalten haben das Recht, sich diese Stundenzahl auf die einzelnen Tage der Woche beliebig aufzuteilen.

17. November 1917
Vergebliche Mahnung. Wieder hat die Unvorsichtigkeit, Obstreste auf der Straße achtlos fortzuwerfen, geschadet. Gestern glitt in der Maria Theresienstraße ein älterer Herr mit dem Fuße über einen „Apfelputzen“ aus, verlor das Gleichgewicht und stürzte auf den Kopf. Mit einer klaffenden Wunde oberhalb des linken Auges ist er das Opfer irgendeines leichtsinnigen Obstesser geworden.

Diese Postkarte zeigt die Innbrücke, den Tatort des Handgemenges.
Diese Postkarte zeigt die Innbrücke, den Tatort des Handgemenges.

19. November 1917
Aus Eifersucht. Bei der Innbrücke sind gestern nachts mehrere Burschen, darunter auch Kriegsbeschädigte, wegen einer Holden in Streit geraten. Es kam zu Tätlichkeiten als deren Abschluss ein dreißigjähriger Metzgerbursch einen Stich in die linke Brustseite erhielt.

21. November 1917
Ablieferung der Metallgeräte. Freihändiger Ankauf. Zufolge Ministerial-Verordnung steht in Bälde die zwangsweise Ablieferung verschiedener Metallgegenstände für Kriegszwecke bevor. Bis zu diesem seinerzeit kundzumachenden Zeitpunkte können die Gegenstände an die Einkaufstellen der Metallzentrale A. G. (in Innsbruck: Leopoldstraße 7, ebenerdig, ehemal. Handlung E. Kogler) zum freihändigen Ankaufe angeboten werden. Der freiwillige Verkauf an die Einkaufstelle bietet dem Verkäufer neben der Barzahlung den Vorteil, dass höhere Metallpreise als bei der zwangsweisen Abgabe bezahlt werden. Die Preislisten der Metallzentraleinkaufstelle liegen bei dieser selbst, sowie beim Stadtmagistrate (Exekutions-Abteilung, Rathaus 1. Hof links) auf und sind überdies neben dem Eingange zu genanntem Amte öffentlich angeschlagen. In der Preisliste sind auch die Gegenstände, welche seinerzeit zur zwangsweisen Ablieferung gelangen, angeführt. Der Stadtmagistrat empfiehlt den Besitzern solcher Metallgegenstände, die Gelegenheit zum freihändigen Verkaufe, - d. i. zu einem höheren als dem seinerzeitigen Requisitionspreise – baldigst zu benützen, da mit dem für die zwangsweise Ablieferung festzusetzenden Zeitpunkte die Tätigkeit der Metallzentraleinkaufstellen eingestellt wird und ein freihändiger Verkauf nicht mehr möglich ist. Für die Beschaffung von Ersatz für die abzuliefernden Gegenstände ist rechtzeitig Vorsorge zu treffen.

24. November 1917
Eine neue Suppenküche. Die katholische Frauen Organisation für Tirol hat ihrer Kriegsfürsorge die Errichtung einer Suppenküche beigefügt. Montag den 26. November wird dieselbe um 12 Uhr mittags in der Bürgerstraße 10, Parterre, eröffnet. Es ist täglich für Abgabe von 200 bis 300 Portionen eingekochte Suppe (per halber Liter zu 20 Heller) vorgesehen. Kinder und alte Frauen haben den Vorzug. Die Besitzerin des Hauses, Fräulein Anna Tschoner, hat in entgegenkommender Weise die leerstehende Gasthausküche unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Leitung haben übernommen: Frau Vizepräsidentin Elisabeth von Neupaur, Frau Feldmarschall Edda v. Verdroß und Frau Baronin Agnes v. Fenner, Stiftsoberin als Kassierin.

26. November 1917
In der Stadtpfarrkirche zu Pradl ist morgen Dienstag um halb 8 Uhr der Trauergottesdienst für weiland Kaiser Franz Joseph I.

28. November 1917
Die vereisten Wege, welche gestern früh alle Fußgänger überraschten, verursachten zahllose Stürze. Nicht immer gingen diese ohne Folgen ab. Vor dem Bahnpostamt schlug sich ein junger Mann ein großes Loch in die Stirn, in der Erlerstraße ist ein alter Mann auf den Hinterkopf gefallen und einige Zeit betäubt liegen geblieben.