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Schutzhaus am Patscherkofel, Anfang des 20. Jahrhunderts
Schutzhaus am Patscherkofel, Anfang des 20. Jahrhunderts

Innsbruck vor 100 Jahren - Oktober 1918

aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck von Aurora Scharmer

03. Oktober 1918
Der erste Luftangriff auf Innsbruck […] Wie durch das k. u. k. Militärkommando in Innsbruck erhoben wurde, hat die Flugwache am Brenner um 2 Uhr 42 Minuten nachmittags vier feindliche Flieger mit der Flugrichtung auf Innsbruck avisiert. Um 2 Uhr 45 Minuten nachmittags wurde Flugalarm für die Stadt Innsbruck im Wege der Telephonzentrale angeordnet. Bevor sich noch dieser Alarm voll durchsetzen konnte, da die Strecke Brenner – Innsbruck (30 Kilometer) in 8 Minuten durchflogen wurde, erschien bereits der erste feindliche Flieger, welchem die drei übrigen gemeldeten Flieger knapp folgten, über dem Berg Isel. […]

Von den Schutzhütten Sämtliche Schutzhäuser der Sektion Innsbruck des Oesterreichischen Touristenklubs, und zwar das Kaiser-Franz-Joseph-Schutzhaus am Patscherkofel, die Innsbrucker Hütte am Habicht, die Erzherzog-Eugen-Hütte am Brunnenkogel […] sind nunmehr geschlossen. Aus sämtlichen Hütten wurden Wäsche und Decken, sowie Betten und andere Bedarfsartikel zu Tale geschafft, es können daher auch die Schlüssel bis auf weiteres nicht mehr ausgegeben werden.

06. Oktober 1918
Tiroler! Aeußere und innere Feinde würfeln heute um das Land Andreas Hofers. Der letzte Wurf ist noch grausamer; schändlicher ist noch nie ein freies Land geschachert worden. Das Blut unserer Väter, Söhne und Brüder ist umsonst geflossen, wenn dieser schändliche Plan Wirklichkeit werden soll. Der letzte Wurf ist noch nicht getan. Darum auf Tiroler, zum Tiroler Volkstag in Brixen am 13. Oktober 1918 (nächsten Sonntag). Deutscher Boden muß deutsch bleiben, Tiroler Boden muß tirolisch bleiben. Tiroler entscheidet selbst über Eure Zukunft!

Innsbrucker Mittelgebirgsbahn – mit Dampf betrieben während der Fahrt nach Igls
Innsbrucker Mittelgebirgsbahn – mit Dampf betrieben während der Fahrt nach Igls

07. Oktober 1918
Innsbrucker Mittelgebirgsbahn. Nachdem uns nunmehr Kohle zur Verfügung steht, kann der Verkehr auf der Innsbrucker Mittelgebirgsbahn bis auf weiteres planmäßig weitergeführt werden.

15. Oktober 1918
Auflauf um Mitternacht. Vorgestern gegen Mitternacht wurde in der Maria Theresienstraße ein invalider Soldat von einem Hauptmann wegen unanständigen Benehmens beanständigt. Zivilpersonen mengten sich sofort ein und gegen 100 Personen sammelten sich in der Straße an. Unter den Demonstranten befanden sich auch zwei in Zivil gekleidete Militäristen, welche die inzwischen eingeschrittene Militärpatrouille und die Sicherheitswache beschimpften und beleidigten, weshalb die zwei Männer verhaftet und abgeführt wurden, die anderen zerstreuten sich dann auch und die Ruhe war wieder hergestellt. Der Hauptmann und der Invalide hatten sich schon früher entfernt.

Der Alkohol. Ein nicht mehr junger Mensch, angeblich Schlosser von Beruf, torkelte vorgestern nachmittags beim Mariahilfer Friedhof herum. Bei einem der vielen Stürze zerriß er sich das Gesicht derart, daß ihn die Rettungsabteilung hat verbinden müssen.

18. Oktober 1918
Die Antwort Wilsons an Oesterreich. Aus Genf wird gemeldet: Die Antwort Wilsons an Oesterreich enthält eine ausführliche Darlegung der Nationalitätenfrage in der Monarchie und ist so gehalten, daß sie eine friedliche Erörterung zwischen der Monarchie und Amerika einleitet. Die Antwort bringt auch eine Reihe bestimmter Vorschläge für die Neuordnung der Monarchie.

21. Oktober 1918
Die Not an Zeitungspapier. Infolge der eingetretenen Stockung in der Papierzulieferung und der Einstellung der Papiererzeugung in den Fabriken, welche das Weitererscheinen der Zeitungen überhaupt in Frage stellen, muß sich die Verwaltung unseres Blattes vorläufig das Recht vorbehalten, die Anzeigen je nach Maßgabe des vorhandenen Raumes, entweder in den „Innsbrucker Nachrichten“ oder im „Abendblatt“ einzuschalten.

Eine Gruppe von Soldaten (mit Instrumenten) vor dem Gasthaus zum Goldenen Winkel in Pradl, 1918
Eine Gruppe von Soldaten (mit Instrumenten) vor dem Gasthaus zum Goldenen Winkel in Pradl, 1918

26. Oktober 1918
Bitte aus dem Felde. Sechs fidele Kaiserjäger vom 2. Regiment bitten edelherzige Gönner und Spender um eine halbwegs gutspielende Gitarre, um die langen Winterabende verkürzen zu können. Feldgraue Jägergrüße sendet im Namen aller: Hans Federer k. u. k. Reg der Tir. Kaiserjäger, 3. Baon, Train, Feldpost 481

28. Oktober 1918
Eine nette Legende. Eine nette Legende erzählt das „Salzburger Volksblatt“. Ein Tiroler Landesschütze stürzte von einer steilen Felswand, fast vier Meter tief, auf eine Platte. Als die Sanitätssoldaten herbeieilten, fanden sie ihn in einer tiefen Ohnmacht. Sie setzten ihm die Feldflasche an den Mund, worauf der Landesschütze erwachte. Er sah die Sanitäter der Reihe nach an und sagte dann mit schwacher Stimme: „A Wasser! Sagt’s Leut’ln, wia tief muaß man denn ei’ntli abifall n, bis daß man an Schnaps kriegt?“

30. Oktober 1918
Ein erwünschter Druckfehler. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts wurde in England von einer Gesellschaft mit königlicher Genehmigung eine Bibel gedruckt, in der der Druckfehlerteufel einen merkwürdigen Streich spielte. Es war nämlich im sechsten Gebot, „Du sollst nicht ehebrechen“, das Wort „nicht“ ausgelassen worden. Die Geistlichen, voran der Erzbischof von Canterbury, waren sehr erzürnt darüber und veranlaßten, daß die Herausgeber bestraft und die unverkauften Bibeln eingezogen wurden. Die Weltleute aber verschafften sich um hohe Summen alle erreichbaren Bibeln dieser Ausgabe, um sich vorkommenden Falles auf deren sechstes Gebot berufen zu können.