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Anlässlich der Olympischen Spiele 1964 und 1976 entstand das O-Dorf, rundum damals noch Felder.
Anlässlich der Olympischen Spiele 1964 und 1976 entstand das O-Dorf, rundum damals noch Felder.

Bis an die Grenzen und darüber hinaus: eine Stadt und ihre Teile

Lange Zeit war Innsbruck eine überschaubare Stadt. Im 19. Jahrhundert änderte sich diese Tatsache rasant: Der Bedarf an Wohnraum trieb die Bevölkerung stärker ins Umland. Mit der Eingemeindung von Wilten und Pradl begann die Stadterweiterung hin zu den aktuellen Grenzen.

Aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum von Susanne Gurschler

Wer über den Landhausplatz spaziert, und sich nicht von SkateboarderInnen ablenken lässt, sieht den Brunnen an der Ostseite. Er besteht aus zwei glatten dunklen Steinen, einer kleiner, einer größer als der andere, dazwischen eine Wasserfontäne. Für Innsbruck ist er von besonderer Bedeutung. Der „Vereinigungsbrunnen“ erinnert an die Eingemeindungen: Die Löcher im größeren Stein symbolisieren die Eingemeindung der Ortschaften Arzl, Vill, Igls, Hötting und Mühlau, die im kleineren die von Pradl, Amras und Wilten. Die Orte verliehen Innsbruck jene Größe, die es heutzutage hat. Die Stadtteile prägten und prägen Innsbruck nach innen und außen. Sie machen den besonderen Charakter der Stadt aus.

Die Eingemeindung von Amras erfolgte 1938. Das Foto stammt aus der Zeit um 1890.
Die Eingemeindung von Amras erfolgte 1938. Das Foto stammt aus der Zeit um 1890.

Wie alles begann …

Begonnen hat alles im 12. Jahrhundert mit einem Marktflecken am linken Innufer mit Anpruggen. Berthold V. von Andechs erwarb später Grund auf der rechten Seite des Inns. Dort entstand die Altstadt mit Stadtmauer und Ausfallstraßen nach Westen, Osten und Süden. Richtung Süden dehnte sich bald die sogenannte Neustadt. Auf Höhe des heutigen Hotels Goldene Krone sollte bis zur Eingemeindung Wiltens die Stadtgrenze verlaufen. Über Jahrhunderte änderte sich wenig. Im 19. Jahrhundert allerdings wurde es immer enger in der Stadt. Mit der Eröffnung des Bahnhofs 1859 (damals noch nicht auf städtischem Gebiet) verstärkte sich Innsbrucks Funktion als Knotenpunkt auf den internationalen Transitrouten weiter. Die Industrialisierung brachte Großunternehmen und erhöhte den Zuzug von ArbeiterInnen – eine neue Schicht entstand. Der aufkommende Tourismus forderte zusätzliche Infrastrukturen. Schon davor hatten Innsbrucker BürgerInnen insbesondere in Wilten Grundstücke gekauft, Häuser und Gewerbebetriebe errichtet und so eine schleichende Urbanisierung eingeleitet. Als es schließlich um die Frage der Eingemeindung Wiltens ging, war einer der Hauptfaktoren, den die GegnerInnen ins Treffen führten, dass das Leben in Wilten dadurch teurer
würde. Doch die Vorteile überwogen. Am 12. Oktober 1904 sprachen sich die Verantwortlichen – mit nur einer Gegenstimme – für die Angliederung an Innsbruck aus, wenige Tage später nahm der Innsbrucker Gemeinderat den Beschluss der Nachbarn an.

In Wilten fand früh eine starke Urbanisierung statt: Bauernhöfe und Wiesen verschwanden, Wohnblöcke entstanden.
In Wilten fand früh eine starke Urbanisierung statt: Bauernhöfe und Wiesen verschwanden, Wohnblöcke entstanden.

Innsbrucks Einwohnerzahl wächst

Etwas anders war die Situation in Pradl, das einen stark ländlichen Charakter aufwies und zudem durch die Bahntrasse von Innsbruck getrennt war. Mit der Eröffnung des Gaswerkes 1859, das bis 31. Dezember 1904 in Privatbesitz war und dann in den der Stadt Innsbruck überging, sowie der Errichtung von Industriebetrieben an der Sill veränderte sich das Gesicht des Ortes. Denn Fabriken wie die Spinnerei Herrburger & Rhomberg, die im Bereich des heutigen Sillparks angesiedelt war, benötigten neben Betriebsgebäuden Unterkünfte für ihre MitarbeiterInnen und situierten diese bevorzugt in unmittelbarer Nähe.
1900 begannen Gespräche bezüglich Eingemeindung der zum Amras gehörenden Fraktion. Bei einer Bürgerversammlung im Juni 1902 sprach sich mehr als zwei Drittel der anwesenden Pradler Bevölkerung für eine Eingemeindung aus. 1904 trat die Eingemeindung Pradls in Kraft. Für Innsbruck nicht nur flächenmäßig ein riesen Schritt: Mit Wilten und Pradl erhöhte sich die Einwohnerzahl der Stadt von 26.000 auf 42.000. Die Kombination aus ländlicher Idylle und städtischem Flair war zudem touristisch attraktiv.
„Das rapide Anwachsen der Bevölkerung hat die Stadt eine bedeutende Ausdehnung nehmen lassen, so daß der Ring der Häuser weit hinausgeschoben wurde in die Fluren und Auen, die noch vor hundert Jahren die Stadt umgaben. Elegante Villenviertel, so im Saggen, von schönen Gärten durchzogen, ermöglichen es, daß man in aller Ruhe und Behaglichkeit, gewissermaßen auf dem Lande lebend, die unvergleichliche Schönheit einer erhabenen Bergnatur und gleichzeitig die Vorzüge einer Stadt genießen kann“, hieß es im Reiseführer über Innsbruck, den die Städtische Verkehrs-Sektion um 1910 herausgab.

Stadterweiterung Richtung Westen: 1969 wurde die „Technische Fakultät“ in der Höttinger Au errichtet.
Stadterweiterung Richtung Westen: 1969 wurde die „Technische Fakultät“ in der Höttinger Au errichtet.

Weitere Eingemeindungen folgten

Wie wichtig Hötting für Innsbruck war, zeigt sich daran, dass bereits damals Gespräche über eine Eingemeindung erfolgten, eine Vereinigung fand allerdings erst 1938 statt.Die Zeiten hatten sich massiv verändert: Per Verordnung des Tiroler Landeshauptmannes und Gauleiters der Tiroler Landeshauptstadt wurden nun auch Mühlau und Amras eingemeindet, 1940 folgte Arzl, 1942 kamen Igls und Vill dazu. Nach dem 2. Weltkrieg sprach sich die Arzler Bevölkerung mit 566 gegen 268 eindeutig für einen Verbleib bei Innsbruck aus.
Gerade die Wohnungsnot, die schon in der Zwischenkriegszeit zu starker Bautätigkeit etwa in Pradl geführt hatte, ließ neue große Stadtteile entstehen, so zum Beispiel in der Reichenau oder in Sadrach. Mit den Olympischen Spiele 1964 und 1976 kam das O-Dorf dazu und dehnte die Wohngebiete weit ins Grünland. Nicht anders verlief es im Westen der Stadt, in der Höttinger Au, wo in den letzten Jahrzehnten weitere Stadtquartiere errichtet wurden.
Die Verbindung von Ländlichem und Urbanem, die mit der Eingliederung der Umlandgemeinden gelungen ist, prägt Innsbruck. So zeugt die Innsbrucker Altstadt von der langen Geschichte als Residenzstadt, spiegeln die Ortskerne von Hötting oder Pradl nach wie vor ihre dörfliche Geschichte, zeigen sich die Wohntürme im O-Dorf oder in der Reichenau großstädtisch und Mühlau, Arzl, Vill oder Igls als harmonische Verbindung von Kultur- und Naturraum. Sie fügen sich zu einem vielfältigen Ganzen und sind das Gesicht Innsbrucks.