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Die Bahn von Innsbruck nach Igls eröffnete Bahnreisenden eine attraktive Anbindung und stieß auf reges Interesse bei TagesausflüglerInnen.
Die Bahn von Innsbruck nach Igls eröffnete Bahnreisenden eine attraktive Anbindung und stieß auf reges Interesse bei TagesausflüglerInnen.

Zur Landlust ins Mittelgebirge

Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckten die InnsbruckerInnen Igls als Erholungsraum. Zu den städtischen SommerfrischlerInnen gesellten sich bald Kurgäste aus aller Welt – und WintersportlerInnen.

aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum von Susanne Gurschler

Wer kennt ihn nicht, den Wallfahrtsort Heiligwasser, diesen idyllischen Platz, der für viele ein Kraftplatz ist, auf halber Höhe zum Patscherkofel. Von hier haben die BesucherInnen einen fantastischen Blick auf das von Wald umgebene Igls, das seit 1942 Stadtteil von Innsbruck ist, und heute rund 2.500 EinwohnerInnen zählt.
Noch vor 200 Jahren war es ein kleines Bauerndorf. Dann entdeckten wohlhabende Innsbrucker BürgerInnen das Mittelgebirge als Sommerfrischeort und Igls wuchs zu einer Destination, die internationale Gäste anlockte.

Der Igler Hof wurde vom Innsbrucker Kaufmann Michael Obexer gegründet und von seinem Sohn Max weiter ausgebaut. Das Grandhotel bot allen erdenklichen Komfort.
Der Igler Hof wurde vom Innsbrucker Kaufmann Michael Obexer gegründet und von seinem Sohn Max weiter ausgebaut. Das Grandhotel bot allen erdenklichen Komfort.

Auf der Suche nach Ruhe und landschaftlicher Abwechslung

Bereits 1837 notierte der Tiroler Reiseschriftsteller Beda Weber, Igls werde von den BewohnerInnen Innsbrucks „zur Landlust“ besucht. Dass das Dorf ins Visier der Städter geriet, muss nicht wundern, es bot das, was diese sommers suchten: Ruhe, mildes Klima und landschaftliche Abwechslung. Von sanften Wiesen und Hügeln bis zu zauberhaften Wäldern war hier alles zu finden. Dazu der mächtige Patscherkofel im Süden samt einem fantastischen Ausblick auf die Bergwelt rund um Innsbruck.
Die Bauern erkannten das Potenzial und boten Unterkünfte für jene Erholungsuchenden an, die sich kein eigenes Feriendomizil errichten konnten oder wollten. Für die weitere touristische Entwicklung maßgeblich war Michael Obexer. 1873 erwarb der Innsbrucker Kaufmann hier sein erstes Grundstück und errichtete die „Villa Igls“, einige Jahre später kaufte er ein weiteres Gebäude. Der Grundstein für das Hotel „Igler Hof“ war gelegt. 

Ein Brand veränderte Igls

In Folge sollte dieser zu einem mondänen Grandhotel wachsen, das jeglichen Luxus bot. „Hotel I. Ordre mit 80 gut möblirten Zimmern und allem der Neuzeit entsprechendem Comfort eingerichtet. Warmwasser-, Soole-, Fichtennadeln- und Moorbäder wie Equipagen im Haus“, lautete die Botschaft auf einem Werbeplakat aus jener Zeit. Dazu kamen weitere Hotelanlagen, Gasthäuser und Pensionen. Im Sommer 1883 verzeichnete Igls bereits 300 Feriengäste.
Der verheerende Brand im August desselben Jahres konnte den Aufstieg von Igls zum international renommierten Kurort nur kurz bremsen. Mit dem Wiederaufbau der vernichteten Gebäude veränderte sich allerdings die Gestalt des Dorfes radikal: War Igls bisher immer noch stark ländlich geprägt gewesen, so erhielt es jetzt einen urbanen Charakter mit Villen und großen Landhäusern. Mehrere Maßnahmen förderten die Attraktivität des Fremdenverkehrsortes weiter.
Der 1885 gegründete Verschönerungsverein setzte es sich zum Ziel, das Ambiente für die Gäste ansprechend zu gestalten und die touristischen Angebote auszubauen. Ein Kurpark auf der Waldparzelle „Girgl“ wurde angelegt. Später kamen hier unter anderem ein Rundwanderweg, eine „Restauration“, ein Kurhaus sowie Tennisplätze dazu.

Die Mittelgebirgsbahn brauchte etwas mehr als 30 Minuten von Innsbruck/Bergisel bis nach Igls. Ab 1912 fuhr sie an Wochenenden und Feiertagen auch im Winter.
Die Mittelgebirgsbahn brauchte etwas mehr als 30 Minuten von Innsbruck/Bergisel bis nach Igls. Ab 1912 fuhr sie an Wochenenden und Feiertagen auch im Winter.

Igls wird offiziell zum Kurort

Einen weiteren Schritt setzte der österreichische Touristenklub mit dem Bau des Schutzhauses auf dem Patscherkofel. Zu den vielen Wanderwegen, die es in den lauschigen Wäldern rund um Igls schon gab, kamen nun weitere Routen, die für echte Bergfexe genauso geeignet waren wie für ambitionierte WandererInnen. Denn unter den Kurgästen fanden sich zahlreiche Frauen, die die Bergwelt für sich entdeckten und auch schwierige Passagen in Angriff nahmen.
Die Hotels boten den illustren Gästen aus nah und fern jeden Komfort, von fließendem Wasser bis zum Strom, vom Badhaus bis zum Lesesaal. Längst hatten sich rund um die florierende Fremdenverkehrswirtschaft Gewerbebetriebe angesiedelt, sodass es in Igls an nichts fehlte.
Die mediale Berichterstattung tat ein Übriges. „Von allen Sommerfrischen in Nordtirol, (…) ist Igls ohne Zweifel diejenige, die nicht nur durch ihre Lage und durch die Großartigkeit der Natur am meisten begnadet ist, sondern – fast als einzige unter allen – jene Einrichtungen aufweist, welche das große moderne Reisepublicum nicht mehr entbehren will“, stand 1893 in „Dillinger's illustrirte Reise-Zeitung“ zu lesen.
Zentral für die weitere Entwicklung war die Errichtung der Mittelgebirgsbahn, die 1900 in Betrieb genommen wurde. Sie verkürzte die Anreisezeit von Innsbruck nach Igls erheblich und versprach eine „neue Epoche in der aufwärtssteigenden Bewegung des Fremdenverkehres“, wie es in den Innsbrucker Nachrichten anlässlich der Eröffnung hieß. 1903 entstand die Kur- und Wasserheilanstalt, ab Herbst desselben Jahres war Igls offiziell Kurort.

Vom Wintersport und dem 1. Weltkrieg

Ein weiterer Trend begann, sich abzuzeichnen: der Wintersport. Die Hänge in der Umgebung von Igls boten hervorragende Bedingungen für SkifahrerInnen, die Wanderwege und Straßen für RodlerInnen, der nahe Lansersee für EisläuferInnen. Der 1907 ins Leben gerufene Wintersportverein kümmerte sich um die Wintersportanlagen und ließ die Abfahrt vom Patscherkofel markieren. Schon zu dieser Zeit gab es Überlegungen, den Patscherkofel mit einer Seilbahn zu erschließen, umgesetzt werden sollten die Pläne allerdings erst 1928. Hotels, die noch keine Zentralheizung hatten, rüsteten nach, die Saisonen liefen prächtig.
Der 1. Weltkrieg aber brachte den Tourismus, der Igls zu einem prosperierenden, urbanen Ort gemacht hatte, zum Erliegen. Von den Nachwehen des Krieges erholte man sich bald. Bereits 1926 schwärmte der Reiseschriftsteller Hugo Klein im „Nordtiroler Bäderführer“ wieder: „Igls, eine der kostbarsten Perlen in dem großen Schmuckkasten landschaftlicher Schönheiten Tirols, stieg von einem lichten Bergdörfchen zu einem weltberühmten klimatischen Sommerfrisch- und Kurort empor; es hat die Vorzüge eines Höhenklimas, verbunden mit einer landschaftlichen Pracht, welche in den Bergländern ihresgleichen sucht.“ Einen fantastischen Blick auf Igls selbst gibt es nach wie vor von Heiligwasser aus.