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(v. l. n. r.): Peter Brühwasser (AG „Ratten“), Stefan Engele (Grünanlagen) Sophie-Marie Gschaider (Veterinärwesen), Monika Eder-Trenkwalder (Biberbeauftragte Land Tirol) und Margit Hueber (IKB) richteten einen Appell an die Innsbrucker Bevölkerung zum Wohle der Tiere.
(v. l. n. r.): Peter Brühwasser (AG „Ratten“), Stefan Engele (Grünanlagen) Sophie-Marie Gschaider (Veterinärwesen), Monika Eder-Trenkwalder (Biberbeauftragte Land Tirol) und Margit Hueber (IKB) richteten einen Appell an die Innsbrucker Bevölkerung zum Wohle der Tiere.

Tauben, Enten & Co.: Fütterung und Folgewirkung

Stadt Innsbruck appelliert an die Innsbrucker Bevölkerung

(IKM) Ob Tauben, Enten oder Biber: Viele Menschen haben Freude daran, die Tiere mit Lebensmitteln zu füttern. Welche negativen Folgenwirkungen dies allerdings haben kann und welche gesetzlichen Rahmenbedingungen diesbezüglich in Innsbruck gelten, erläuterten am Dienstagvormittag – in einem Pressegespräch – Dr. Peter Brühwasser, Leiter der Arbeitsgruppe (AG) „Ratten“, Mag.a Sophie-Marie Gschaider, Referatsleiterin Veterinärwesen, Stefan Engele, Referatsleiter Grünanlagen – Pflege und Service, Mag.a Monika Eder-Trenkwalder, Biberbeauftragte des Landes Tirols und Margit Hueber von den Innsbrucker Kommunalbetrieben AG (IKB). Im Zuge des Dialogs appellierten diese an die Eigenverantwortung und Vernunft der BürgerInnen.

In den Teichen und Weihern sowie entlang der Gewässer die durch das Innsbrucker Stadtgebiet führen, leben zahlreiche Enten. „Falsch verstandene Tierliebe lockt Schädlinge an. Die Wenigsten wissen aber, dass das Füttern die Ausbreitung von Ungeziefer, insbesondere Ratten, begünstigt“, weist Dr. Peter Brühwasser, Leiter der Arbeitsgruppe (AG) „Ratten“ darauf hin. Angezogen werden die Nagetiere durch Müll oder Essensreste. „Das Problem ist oftmals, dass nicht sauber gereinigte Plastikverpackungen und Dosen bei den Sammelstellen abgegeben werden. Eine weitere Tatsache ist, dass immer wieder das Entsorgungsgut neben den Sammelbehältern platziert werden. Wenn man sich so verhalten würde wie zu Hause, wäre das Thema mit den Wertstoffinseln geringer, was die Tierplage betrifft“, betont Margit Hueber, zuständig für die Wertstoffinseln bei der IKB.

Verlust des natürlichen Triebes
Die Wildtiere verlieren ihren natürlichen Trieb, sich selbst Futter wie Pflanzen oder Insektenlarven zu suchen. Das Füttern von Enten und anderen Wasservögeln führt dazu, dass sich die Tiere stark vermehren. Vor allem junge Enten benötigen für ein gesundes Wachstum artgerechtes Futter. Brot hingegen führt zu Wachstumsstörungen. Außerdem schaden Brotreste der Gesundheit von Wasservögeln, die sich natürlicherweise von Wasserpflanzen und Teile der Uferbepflanzung sowie von kleinen Tieren, wie zum BeispielWürmern und Schnecken, ernähren. In der Folge kommt auch das ökologische Gleichgewicht an und in den Gewässern durcheinander. In der wärmeren Jahreszeit führt dies sogar häufig dazu, dass Gewässer umkippen.

Fütterungsverbot
Nicht anders ist es bei den Tauben. Bei natürlicher Ernährungsweise legen die Vögel täglich mühelos bis zu 40 Kilometer zurück. Da in der Stadt durch Fütterung das ganze Jahr über reichlich Nahrung vorhanden ist, unternimmt die Taube diese zeit- und energieaufwändigen Flüge nicht mehr und leidet dadurch an erheblichen Bewegungsmangel.

Tauben und Enten verfügen über natürliche Verhaltensweisen, das ganze Jahr über genügend Nahrung zu finden. Einseitige Ernährung, zum Beispiel mit Brot, führt zu Mangelerscheinungen und Krankheiten. „Generell gibt es in Innsbruck seit vielen Jahren ein Taubenfütterungsverbot“, erklären Mag.a Sophie-Marie Gschaider, Referatsleiterin Veterinärwesen, und AG-Leiter Brühwasser unisono.

Das Füttern ist genauso wie das Ausstreuen von Futter in der Umgebung von Wasserflächen oder auch auf öffentlichen Plätzen, Straßen sowie Parkanlagen laut ortspolizeilicher Verordnung verboten.

Vorbeugung von Krankheiten
„Das von der Bevölkerung verwendete Futter ist oftmals nicht artgerecht bzw. stellt es eine Gesundheitsgefährdung für die Tiere dar“, betont Gschaider. Durch Füttern vermehren sich Tauben, wie auch Ratten, Enten, Schwäne etc. zudem übermäßig. Die Einhaltung des Verbots ist besonders wichtig, da dem Wachstum der Tauben- und Rattenpopulation nur so Einhalt geboten werden kann.

Das Fütterungsverbot zielt darauf, den Taubenbestand im Stadtgebiet zu reduzieren bzw. auf einem niedrigen Niveau zu stabilisieren sowie Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung sowie Verunreinigung von Bauwerken und Denkmälern durch Taubenkot zu verringern. Deshalb wurde unter anderem im Innsbrucker Stadtteil Olympisches Dorf ein Taubenschlag angesiedelt. Dort findet eine tierschutzkonforme Reduktion der Taubenpopulation durch Entnahme der Bruteier statt. Im Taubenschlag bekommen die Tiere artgerechtes Futter und werden so vor Krankheiten geschützt.

Folgewirkung
Wer Tauben und Wasservögel – gegen Singvogelfütterung mittels Vogelhäuschen spricht nichts dagegen – füttert, füttert damit auch automatisch die Ratten. Die Nagetiere brauchen Unterschlupf und genügend Futter. Wenn Essensreste rund um die Gewässer bleiben, gibt man diesen Tieren ein zusätzliches Nahrungsangebot. Seit jeher siedeln Ratten überall dort gerne, wo der Mensch Nistmöglichkeiten und Nahrung im Überfluss für sie bewusst oder unbewusst bereitstellt. „Über die Größe einer Tierpopulation entscheiden die beiden Faktoren ‚Nahrungsangebot‘ und ‚Nistmöglichkeiten‘. Es bleibt viel Futter liegen, weil die Tiere gar nicht so viel essen können. Auffällig ist, wo Tauben, Enten und Co. gefüttert werden, steigt auch die Zahl der Ratten“, betont Stefan Engele. „Im Sinne des Tierschutzes sollten in erster Linie diese beiden kausalen Faktoren möglichst reduziert werden“, ergänzt Brühwasser.

Biber hinterlässt Spuren
Im Herbst und im Winter sind entlang des Inns und anderen Gewässern in der Tiroler Landeshauptstadt die Spuren des Bibers zu entdecken. Insgesamt gibt es derzeit drei Biberpopulationen im Innsbrucker Stadtgebiet. Das Amt für Grünanlagen kontrolliert die Bäume auf Nageaktivtäten des possierlichen Nagers. Ein Großteil der Bäume wurde in diesen Gebieten nach Rücksprache mit der Biberbeauftragen des Landes Tirols, Mag.a Monika Eder-Trenkwalder mit sogenannten Drahthosen gegen den Biberverbiss geschützt. MF